
Vier Tage nach Beginn ihres viermonatigen Praktikums für die Universität von Ohio war sie kurz davor gewesen, alles hinzuwerfen. Da hatte Dave sie beiseite genommen und gesagt:
»Gib nicht auf, Steffi, hab noch ein bisschen Geduld.« Es hatte sich gelohnt: Fast über Nacht hatte sie den Dialekt plötzlich verstanden. Als hätte sie eine Blase im Ohr gehabt, die plötzlich auf wundersame Weise geplatzt war. Selbst wenn sie hier für den Rest ihrer Tage lebte, würde sie zwar niemals wie die Einheimischen sprechen, aber verstehen, »ah jo«, das würde sie sie schon.
»Genau: unfair«, stimmte Stephanie Dave zu.
»Dieser Begriff existiert nicht in Jack Moodys Wortschatz, höchstens wenn er über Sport redet«, sagte Vince, und dann im gleichen Tonfall: »Lass das Brötchen liegen, Dave Bowie, irgendwann platzt du noch, quiek, quiek, kleines Schweinchen.«
»Soweit ich weiß, sind wir nicht verheiratet«, gab Dave zurück und biss ins Brötchen. »Kannst du ihr nicht verraten, was dir durch den Kopf geht, ohne mich dabei zu beschimpfen?«
»Ganz schön vorlaut, was?«, sagte Vince. »Und keiner hat ihm beigebracht, dass man nicht mit vollem Munde spricht.« Er legte den Arm über die Rückenlehne des Stuhls. Der Wind wehte über den funkelnden Ozean und blies Vince das weiße Haar aus der Stirn. »Steffi, Helen hat drei Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Ihr Mann hat sich vom Acker gemacht. Sie will auf der Insel bleiben, aber das schafft sie nur – gerade so –, wenn sie im Grey Gull arbeitet. Denn die Sommer sind ein bisschen fetter, als die Winter mager sind. Kannst du noch folgen?«
»Ja, sicher«, sagte Stephanie. Genau in dem Moment erschien die Frau, die Gegenstand des Gesprächs war. Stephanie bemerkte, dass sie dicke Stützstrümpfe trug, die ihre Krampfadern nicht völlig kaschierten. Außerdem hatte sie dunkle Ringe unter den Augen.
