Der Mann bewegte sich vorwärts. Ein Wind raunte in der Eberesche und brachte die jungen Blätter in Bewegung. Der Junge, überrascht, sprang mit einer federnden Bewegung auf. Er drehte sich dem Mann zu und verbeugte sich vor ihm: »Ehrwürdiger Erzmagier!« sagte er.

Der Mann, eine aufrechte, kräftige, nicht allzu große Gestalt, in einen weißen Wollumhang mit Kapuze gehüllt, blieb vor ihm stehen. Über den Falten der zurückgelegten Kapuze erhob sich ein kupferbraunes Gesicht mit einer Adlernase; eine Wange zeigte die Spuren alter Narben. Die Augen blickten aufmerksam und durchdringend. Doch seine Stimme war sanft: »Im Brunnenhof sitzt es sich angenehm«, sagte er und nahm die Entschuldigung des Jungen vorweg. »Weit her bist du gekommen, und keine Rast war dir vergönnt. Setz dich wieder hin!«

Er kniete an dem weißen Rand der Brunnenschale und streckte seine Hand gegen den Kranz glitzernder Tropfen aus, die von der oberen Marmorschale fielen. Das Wasser glitt durch seine Finger. Der Junge setzte sich wieder auf die erhöhten Marmorplatten, und beide schwiegen eine Weile.

»Du bist der Sohn des Prinzen von Enlad und der Inselgruppe der Enladen«, sagte der Erzmagier. »Du bist der Erbe des Fürstenreichs von Morred. In der ganzen Erdsee gibt es kein Haus, das älter und berühmter ist als dieses. Ich sah die Obstgärten von Enlad im Frühling und die goldnen Dächer von Berila. Wie heißt du?«

»Man nennt mich Arren.«

»Das Wort ist dem Dialekt deines Landes entnommen. Was bedeutet es in der allgemeinen Sprache?«

»Schwert«, antwortete der Junge.

Der Erzmagier nickte. Wieder schwiegen sie. Dann sprach der Junge, nicht kühn, doch auch nicht schüchtern: »Ich glaubte, daß der Erzmagier alle Sprachen kennen würde.«

Der Mann schüttelte den Kopf und betrachtete den Brunnen.

»Und alle Namen…«

»Alle Namen? Nur Segoy, der das Erste Wort gesprochen und die Inseln aus der Tiefe des Meeres gehoben hat, nur er wußte alle Namen. Jedoch…« — und der helle, durchdringende Blick richtete sich wieder auf Arrens Gesicht —, »wenn es nötig wäre, deinen wahren Namen zu wissen, dann konnte ich ihn herausfinden. Doch es ist nicht nötig, ich werde dich Arren nennen, und ich bin Sperber. Erzähl mir, wie die Reise hierher war.«



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