Der erste Schritt aus der Kindheit heraus wird mit einemmal getan, ohne vorheriges Rückwärts- oder Vorwärtsschauen, ohne Bedenken, rückhaltlos.

Die höflichen Manieren des Verabschiedens völlig vergessend, eilte Arren zur Tür, strahlend, gehorsam, ungestüm. Und Ged der Erzmagier blickte ihm nach.

Ged blieb eine Weile beim Brunnen unter der Eberesche stehen. Dann hob er sein Gesicht zum sonnenklaren Himmel empor: »Ein lichter Bote mit unheilvoller Kunde«, sprach er halblaut, zum Brunnen gewandt. Der hörte nicht zu, sondern fuhr fort, in seiner eigenen Silberstimme zu reden, und Ged hörte ihm eine Weile zu. Dann ging er auf eine andere Tür zu, die Arren nicht gesehen hatte, die nur wenigen Augen sichtbar war, ganz gleich, wie nahe sie darauf schauten, und sagte: »Meister Pförtner!«

Ein kleiner Mann unbestimmten Alters erschien. Jung war er nicht mehr, so daß man ihn als alt bezeichnen mußte, doch alt war auch nicht passend. Sein Gesicht war eingefallen und hatte die Farbe von Elfenbein angenommen. Er hatte ein anziehendes Lächeln, das lange Furchen in seine Wangen grub: »Was ist los, Ged?« fragte er.

Denn sie waren allein, und er gehörte zu den sieben Menschen auf der Welt, die des Erzmagiers wahren Namen kannten. Die anderen waren der Meister Namengeber auf Rok; und Ogion der Schweigsame, der Zauberer von Re Albi, der vor langer Zeit Ged diesen Namen auf dem Berg Gont gegeben hatte; und die Weiße Dame von Gont, Tenar mit dem Ring; und ein Dorfzauberer auf Iffisch, der Vetsch genannt wurde; und wieder auf Iffisch die Frau eines Zimmermanns, die Mutter von drei Mädchen, die der Zauberei unkundig, doch weise in anderen Dingen war, und die Jarro hieß; und schließlich, auf der anderen Seite der Erdsee, im äußersten Westen, zwei Drachen: Orm Embar und Kalessin.



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