
Wie war es möglich, nicht auf die Knie zu fallen vor dem Altar der Gewissheit?
Ich schaute ehrfürchtig und beklommen. In diesem Moment war ich überzeugt, dass Jacopo Belbo recht gehabt hatte. Als er mir von dem Pendel erzählte, hatte ich seine Erregung einer ästhetischen Schwärmerei zugeschrieben, jenem Krebsgeschwür, das langsam, unförmig, in seiner Seele Gestalt anzunehmen begann, indem es Schritt für Schritt, ohne dass er es merkte, sein Spiel in Realität verwandelte. Doch wenn er mit dem Pendel recht gehabt hatte, dann war ja vielleicht auch alles andere wahr, der Große Plan, das Universale Komplott, und es war richtig gewesen, dass ich hergekommen war, am Abend vor der Sommersonnwende. Jacopo Belbo war nicht verrückt, er hatte einfach beim Spielen, durch das Spiel, die Wahrheit entdeckt.
Und die Erfahrung des Numinosen hält man nicht lange aus, ohne den Verstand zu verlieren.
Ich versuchte den Blick vom Pendel zu lösen, indem ich der Kurve folgte, die von den Kapitellen der im Halbkreis angeordneten Säulen längs der Gewölberippen zum Schluss- stein verlief, womit sie das Wunder des Spitzbogens wiederholte, der sich auf einer Abwesenheit errichtet, höchste statische Hypokrisie, und der die Säulen glauben macht, sie stemmten die Rippen nach oben, und diese, vom Schlussstein zurückgewiesen, sie drückten die Säulen fest auf den Boden, während doch das Gewölbe in Wahrheit ein Alles und Nichts ist, Wirkung und Ursache gleichzeitig. Doch bald wurde mir bewusst, dass eine Vernachlässigung des Pendels, das vom Gewölbe hing, um stattdessen das Gewölbe zu bewundern, so viel war wie ein Verzicht auf den Trunk aus der Quelle, um sich stattdessen am Bach zu berauschen.
