«Fällt Ihnen sonst noch jemand ein, der einen Groll gegen Ihren Bruder hegte?»

Miss Morley schüttelte den Kopf.

«Mit seinem Partner Reilly ist er gut ausgekommen?»

Miss Morley antwortete säuerlich: «So gut, wie man mit einem Iren eben auskommen kann.»

«Was meinen Sie damit, Miss Morley?»

«Nun, Iren sind jähzornig und haben die größte Freude an jedem nur denkbaren Streit. Mr Reilly liebt politische Debatten.»

«Sonst hat es nichts gegeben?»

«Sonst nichts. Mr Reilly hat viele Fehler, ist aber sehr tüchtig in seinem Beruf – wenigstens hat mein Bruder das immer gesagt.»

Japp ließ nicht locker: «Worin bestehen seine Fehler?»

«Er trinkt – aber machen Sie bitte keinen Gebrauch von dieser Information.»

«Hat es zwischen ihm und Ihrem Bruder über diesen Punkt Differenzen gegeben?»

«Henry hat es ihm gegenüber ein paarmal angedeutet.»

«Als Zahnarzt», fuhr Miss Morley belehrend fort, «braucht man eine ruhige Hand, und ein Atem, der nach Alkohol riecht, flößt dem Patienten kein Vertrauen ein.»

Japp nickte zustimmend. Dann sagte er: «Können Sie uns etwas über die finanziellen Verhältnisse Ihres Bruders sagen?»

«Henry verdiente gut und hatte auch gewisse Ersparnisse. Ferner besaßen wir beide ein kleines Zinseinkommen, das wir von unserem Vater geerbt haben.»

Japp räusperte sich und murmelte: «Sie wissen wohl nicht, ob Ihr Bruder ein Testament hinterlassen hat?»

«Doch, das hat er, und ich kann Ihnen auch sagen, was drinsteht. Hundert Pfund hat er Gladys Nevill vermacht, und alles übrige fällt an mich.»

«Aha. Nun…»

Wildes Pochen an der Tür. Dann steckte Alfred den Kopf herein. Seine Glotzaugen nahmen jede Einzelheit der beiden Besucher in sich auf, während er hervorstieß: «Miss Nevill ist zurück. Ganz durcheinander. Sie will wissen, ob sie hereinkommen soll.»

Japp nickte, und Alfred verschwand.



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