
Hercule Poirot schüttelte den Kopf.
«Nicht nach Mord – nach Zahnweh.»
«Egal – wir werden uns diesen Mr Raikes anschauen. Er hat sich – um es vorsichtig auszudrücken – sonderbar aufgeführt. Und dann werden wir dem Telegramm an Miss Nevill nachgehen und ihrer Tante und ihrem jungen Mann. Wir werden einfach allem und jedem nachgehen!»
Alistair Blunt hatte nie im Rampenlicht des öffentlichen Interesses gestanden. Vielleicht, weil er selbst ein sehr ruhiger und zurückhaltender Mensch war. Vielleicht, weil er viele Jahre hindurch eher die Rolle eines Prinzgemahls als die eines Königs gespielt hatte.
Rebecca Sanseverato, geborene Arnholt, war als eine enttäuschte Frau von fünfundvierzig Jahren nach London gekommen. Sowohl von väterlicher wie von mütterlicher Seite stammte sie aus den vornehmsten Kreisen der Hochfinanz. Ihre Mutter war die Erbin der europäischen Familie Rotherstein. Ihr Vater stand an der Spitze des großen amerikanischen Bankhauses Arnholt. Infolge eines Flugzeugunfalls, der den Tod zweier Brüder und eines Vetters zur Folge hatte, wurde Rebecca Arnholt alleinige Erbin eines unermesslichen Vermögens. Sie heiratete einen europäischen Aristokraten mit berühmtem Namen, den Fürsten Felipe di Sanseverato. Drei Jahre später ließ sie sich scheiden, nachdem sie mit diesem wohlerzogenen Schurken zwei erbärmliche Jahre verbracht hatte; das Kind aus dieser Ehe wurde ihr zugesprochen und starb bald darauf.
Durch ihr Unglück verbittert, konzentrierte Rebecca ihre außergewöhnlichen Geistesgaben auf das Finanzgeschäft – die Fähigkeit dazu lag ihr im Blut. Sie wurde Teilhaberin ihres Vaters.
Nach seinem Tod blieb sie mit ihrem riesigen Besitz weiter eine mächtige Erscheinung in der Finanzwelt.
