Aber, so erklärte der Historiker mit der hundertprozentigen Sicherheit, die man im Rückblick immer hat, nicht einer von tausend Menschen hätte von der Entdeckung, die all diese Ereignisse übertraf, indem sie drohte, sie völlig bedeutungslos zu machen, auch nur gehört.

Diese Entdeckung schien so harmlos und von den menschlichen Belangen so weit entfernt wie die verschwommene photographische Platte in Becquerels Labor, die kaum fünfzig Jahre später zum Feuerball über Hiroshima führte. Sie war sogar ein Nebenprodukt desselben Forschungszweiges und begann genauso unschuldig.

Die Natur ist ein sehr strenger Buchhalter und gleicht ihre Bücher immer aus. So waren die Physiker äußerst verwirrt, als sie gewisse nukleare Reaktionen entdeckten, in denen, nachdem alle Bruchstücke zusammengezählt waren, auf einer Seite der Gleichung etwas zu fehlen schien.

Wie ein Buchhalter, der in aller Eile das Kleingeld auffüllt, um den Revisoren einen Sprung voraus zu sein, waren die Physiker gezwungen, ein neues Teilchen zu erfinden. Und, um die Diskrepanz zu erklären, mußte es ein ganz besonderes Teilchen sein — es durfte weder Masse noch Ladung besitzen und mußte von so fantastischer Durchschlagskraft sein, daß es ohne merkliche Schwierigkeiten eine Milliarden von Kilometern dicke Bleiwand durchdringen konnte.

Dieses Phantom bekam den Spitznamen ‚Neutrino‘ — Neutron plus Bambino. Es schien hoffnungslos, etwas so wenig Faßbares jemals zu entdecken; aber im Jahre 1956 hatten die Physiker mit ihren Instrumenten Heldentaten vollbracht und die ersten Exemplare erwischt. Das war auch ein Triumph für die Theoretiker, die nun ihre unwahrscheinlichen Gleichungen bestätigt fanden. Die Welt als Ganzes wußte nichts davon und kümmerte sich auch nicht darum; aber der Countdown zum Jüngsten Tag hatte begonnen.



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