
Die Bauern sahen sich an. Sie sprachen nicht, aber sie wußten, was sie dachten. Der Alte nickte.
»Du kannst bei mir wohnen, Herr, bis der Bote zurückkommt.
Ich bin Fedor Suhaja.«
»Ich danke dir, Fedor.« Ralf reichte ihm die Hand hin. Zögernd nahm sie Fedor und drückte sie schnell, ehe er sie wieder losließ.
»Deinen Wagen werden wir morgen früh mit zwei Ochsen holen«, sagte er. »Du kannst ihn stehen lassen. Hier stiehlt ihn keiner.« Er trat zurück und ließ zwischen sich und den beiden anderen Bauern eine Lücke. »Und nun komm mit, Herr.«
Ralf Meerholdt nahm aus dem Wagen seinen Mantel, die Karte, eine große Tasche mit Meßgeräten und trat an Fedor heran. Stumm gingen sie den dunklen Pfad entlang ... Fedor voraus, ein Bauer neben ihm, ein Bauer hinter ihm. Wie ein Gefangener, durchfuhr es Ralf, als er sich einmal umblickte und den finsteren Blick des hinter ihm gehenden Bauern sah.
Die Sonne war versunken. Die Nacht stand über dem Gebirge, die Schritte wurden tastend, vorsichtig. Einmal blieb Fedor stehen und wartete auf Ralf, der seine schwere Tasche schleppte und langsamer ging als die berggewohnten Bauern.
»Habt ihr keine Lampe?« fragte er und lehnte sich keuchend an die Felswand.
»Öl ist teuer, Herr. Nur an einem Fest können wir Öl brennen! Euer Kommen ist kein Fest.«
Sie gingen langsamer, vorsichtiger. Ein lauter Flügelschlag über ihnen ließ Ralf aufblicken ... ein großer, dunkler Schatten huschte über sie hinweg. Gespenstisch, schnell.
Fedor Suhaja nickte. »Adler«, sagte er leise. »Wir haben hier noch Adler, Herr.«
Spät in der Nacht kamen sie ins Dorf.
In einer Schlucht mit Ölbäumen und uralten Eichen, umgeben von einem über verschiedene Plateaus hinweg die Berge ansteigenden Wald und vor einer großen, fast senkrechten Felswand, die wie eine hochgestreckte Hand das Dorf zu schützen schien, lagen die aus Bruchsteinen, Stämmen und Flechtwerk erbauten Häuser von Zabari.
