
"Ihr sehet das Schloß an?" fragte er sanftmütiger, als K. erwartet hatte, aber in einem Tone, als billige er nicht das, was K. tue. "Ja", sagte K., "ich bin hier fremd, erst seit gestern abend im Ort." — "Das Schloß gefällt Euch nicht?" fragte der Lehrer schnell. "Wie?" fragte K. zurück, ein wenig verblüfft, und wiederholte in milderer Form die Frage: "Ob mir das Schloß gefällt? Warum nehmt Ihr an, daß es mir nicht gefällt?" — "Keinem Fremden gefällt es", sagte der Lehrer. Um hier nichts Unwillkommenes zu sagen, wendete K. das Gespräch und fragte: "Sie kennen wohl den Grafen?" — "Nein", sagte der Lehrer und wollte sich abwenden. K. gab aber nicht nach und fragte nochmals: "Wie? Sie kennen den Grafen nicht?" — "Wie sollte ich ihn kennen?" sagte der Lehrer leise und fügte laut auf französisch hinzu: "Nehmen Sie Rücksicht auf die Anwesenheit unschuldiger Kinder." K. holte daraus das Recht zu fragen: "Könnte ich Sie, Herr Lehrer, einmal besuchen? Ich bleibe längere Zeit hier und fühle mich schon jetzt ein wenig verlassen; zu den Bauern gehöre ich nicht und ins Schloß wohl auch nicht." — "Zwischen den Bauern und dem Schloß ist kein großer Unterschied", sagte der Lehrer. "Mag sein", sagte K., "das ändert an meiner Lage nichts. Könnte ich Sie einmal besuchen?" — "Ich wohne in der Schwanengasse beim Fleischhauer." Das war nun zwar mehr eine Adressenangabe als eine Einladung, dennoch sagte K.: "Gut, ich werde kommen." Der Lehrer nickte und zog mit den gleich wieder losschreienden Kinderhaufen weiter. Sie verschwanden bald in einem jäh abfallenden Gäßchen.
K. aber war zerstreut, durch das Gespräch verärgert. Zum erstenmal seit seinem Kommen fühlte er wirkliche Müdigkeit. Der weite Weg hierher schien ihn ursprünglich gar nicht angegriffen zu haben, wie war er durch die Tage gewandert, ruhig, Schritt für Schritt! — Jetzt aber zeigten sich doch die Folgen der übergroßen Anstrengung, zur Unzeit freilich. Es zog ihn unwiderstehlich hin, neue Bekanntschaften zu suchen, aber jede neue Bekanntschaft verstärkte die Müdigkeit. Wenn er sich in seinem heutigen Zustand zwang, seinen Spaziergang wenigstens bis zum Eingang des Schlosses auszudehnen, war übergenug getan.