Ben Bova

Der Asteroidenkrieg

Memphis

»Mein Gott«, murmelte der Pilot immer wieder. »Mein Gott, mein Gott, mein Gott.«

Der Helikopter flog nach Norden und wurde zwischen dem verwüsteten Land unter sich und den dicken grauen Wolken am Himmel über sich von Turbulenzen geschüttelt, während er der Interstate 55 vom Memphis International Airport zu den Ruinen der verwüsteten Stadt zu folgen versuchte.

Den Highway sah man nicht. Er war bis zum Horizont mit Flüchtlingen übersät: Ein endloser Strom aus Personenwagen, Lastwagen und Bussen quälte sich Stoßstange an Stoßstange vorwärts, und wie Ameisen durcheinander wuselnde Fußgänger trotteten im sintflutartigen Regen an den Straßenrändern entlang. Frauen schoben Kinderwagen, und Männer und Jungen zogen Karren, hoch mit Hausrat beladen, den sie aus den Häusern gerettet hatten. Das Wasser schwappte schon an die Deichkronen und stieg unaufhaltsam weiter. Es drohte die unglücklichen Menschen zu verschlingen, die alles hatten aufgeben müssen — ihre Häuser, ihre Hoffnungen, ihre ganze Welt —, um sich vor den steigenden Fluten in Sicherheit zu bringen.

Dan Randolph spürte, wie die Sicherheitsgurte ihm in die Schulter schnitten, während er von seinem Platz hinter den zwei Piloten finster aus dem Fenster schaute. Er hatte hämmernde Kopfschmerzen, und die Filterstopfen in den Nasenlöchern verursachten ihm wieder Schmerzen. Das Bild des mächtigen Flüchtlingsstroms, der sich träge über den Highway wälzte, zog ihn so in den Bann, dass er kaum spürte, wie der Hubschrauber von den Windstößen durchgeschüttelt wurde. Es ist wie in einem Kriegsgebiet, sagte Dan sich. Nur dass der Feind Mutter Natur ist. Die Flut war schon schlimm genug, aber die Erdbeben brachen ihnen das Rückgrat.

Dan setzte wieder das elektronisch verstärkte Fernglas an die Augen und spähte in dem durchnässten Elendszug nach einem Gesicht, nach einer Person, der einen Frau, zu deren Rettung er hergekommen war. Es war aussichtslos. Es mussten eine halbe Million Menschen dort unten sein, sagte er sich. Wenn nicht noch mehr. Es glich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.



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