In der Stille des Hauses hörte Bolitho wieder Sheaffes Worte, als seien sie eben erst gefallen.

«Ich weiß, daß Ihnen diese Entscheidung ungebührlich hart erscheinen muß, Bolitho. Nach Ihrer Flucht aus französischer Gefangenschaft und Ihrem anschließenden Sieg über Admiral Remond haben Sie wahrscheinlich — mit Recht, würden viele sagen — eine gesicherte Bestallung erwartet. Jedoch…«, er dehnte das letzte Wort bedeutungsvoll,»ein Krieg endet nicht mit dem letzten Schuß. Ihre Lordschaften benötigen für diese Aufgabe einen Mann, der ebenso taktvoll wie tapfer handeln kann. Außerdem hat sie auch ihre guten Seiten: Sie werden hiermit zum Vizeadmiral befördert. «Sein Blick forschte in Bolithos Gesicht nach einer Reaktion.»Damit sind Sie dem Dienstalter nach der jüngste Vizeadmiral in der Navy. «Trocken fügte er hinzu:»Abgesehen natürlich von Nelson, dem Liebling der Nation.»

So war das also, dachte Bolitho. Sheaffe war eifersüchtig auf jene Männer, die sich die Bewunderung von Freund und Feind errungen hatten. Trotz seines Rangs und seiner Befugnisse beneidete er sie immer noch.

Vielleicht hatte ihm Bolitho deshalb verschwiegen, daß der wirkliche Grund für sein Zögern die Sorge um Belinda gewesen war, die in wenigen Wochen ihr erstes Kind erwartete. Sheaffe mußte es ohnedies wissen, denn sogar in Londoner Zeitungen waren Artikel erschienen über ihre Hochzeit im Oktober 1801, bei der Bolithos Kameraden die kleine Kirche in Falmouth bis zum Bersten gefüllt hatten. Aber vielleicht war Sheaffe auch darauf neidisch?

So hatte Bolitho geschwiegen. Wenn Sheaffe von ihm erwartete, daß er ihn beschwor, um einen Aufschub bat, dann hatte er den Mann vor sich noch immer nicht begriffen.

Bolitho hörte ihre Schritte auf dem gefliesten Boden draußen und straffte die Schultern.

Sie stand im Gegenlicht, das Gesicht überschattet, aber trotzdem war ihre Schönheit nicht zu übersehen. Niemals würde er sich sattsehen können an ihr, nie die Sehnsucht nach ihr verlieren. Sonnenschein setzte rötliche Lichter in ihr kastanienbraunes Haar und streichelte den schlanken, gebogenen Nacken.



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