Erschrocken flog der Vogel davon.

Der Rabe kehrte am nächsten Morgen zurück. Anstatt das Gespräch wieder aufzunehmen, beobachtete ihn Elia, denn das Tier hatte immer etwas zu essen und ließ ihm immer irgendwelche Reste da.

Eine geheimnisvolle Freundschaft entwickelte sich zwischen ihnen, und Elia begann den Vogel zu beobachten und von ihm zu lernen. Wenn es diesem gelang, in der Wüste Eßbares zu finden, dann würde er auch einige Tage überleben können.

Wenn der Rabe seine Kreise zu fliegen begann, dann wußte er, daß Beute in der Nähe war, und lief hin und versuchte sie zu fangen. Anfangs entwischten ihm die kleinen Wüstentiere regelmäßig, doch mit der Zeit stellte er sich geschickter an, benutzte Zweige als Speere, grub Fallen, die er unter einer feinen Schicht Kiesel und Sand verbarg. Wenn die Beute dort hineinfiel, teilte Elia sie mit dem Raben und behielt ein Stückchen als Köder übrig.

Doch die Einsamkeit lastete auf ihm, und er nahm das >Gespräch< mit dem Vogel wieder auf.

»Wer bist du?« fragte er den Vogel.

»Ich bin ein Mann, der Frieden gefunden hat«, antwortete Elia.

»Ich kann in der Wüste leben, selbst für mich sorgen und die unendliche Schönheit von Gottes Schöpfung betrachten. Ich habe herausgefunden, daß ich eine Seele in mir habe, die besser ist, als ich dachte.« Die beiden jagten noch mehr als einen Mond lang zusammen.

Als eines Nachts seine Seele von Trauer erfüllt war, beschloß er erneut zu fragen: »Wer bist du?« »Ich weiß es nicht.« Ein weiterer Mond starb und wurde am Himmel wiedergeboren.

Elia fühlte, daß sein Körper jetzt stärker war, sein Geist klarer.

In dieser Nacht wandte er sich an den Raben, der wieder auf seinem gewohnten Zweig saß. Und er wiederholte die Frage, die er vor einiger Zeit schon einmal gestellt hatte.

»Ich bin ein Prophet. Ich habe einen Engel gesehen, während ich arbeitete, und ich kann nicht an dem zweifeln, was ich zu tun in der Lage bin, selbst wenn die Menschen das Gegenteil behaupten.



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