Als Sohn der Schwester bedeutete er ihr nichts, nun aber sah sie ihn in einem neuen Licht. Sie lobte ihn und sagte, daß sie ihn andere Sprüche lehren könne, die ihm bestimmt besser gefielen, wie zum Beispiel Worte, die eine Schnecke aus ihrem Gehäuse herauslocken, oder den Namen, der den Falken aus den Wolken riefe.

»O ja, sag mir den Namen!« rief er, der Schrecken mit den Ziegen war schon vergessen, und er setzte sich ganz aufrecht hin, denn es gefiel ihm, daß sie seine Klugheit lobte.

Das Zauberweib fragte ihn: »Wirst du dieses Wort nie anderen Kindern sagen, wenn ichʹs dich lehre?«

»Nie, ich verspreche es.«

Sie lächelte über seine offensichtliche Naivität. »Nun gut, aber ich werde dein Versprechen sichern. Du wirst nicht reden können, bis ich dich aus dem Bann löse. Dann kannst du zwar wieder sprechen, aber das Wort, das ich dich lehre, kannst du nur aussprechen, wenn niemand sonst mithören kann. Wir müssen die Geheimnisse unseres Gewerbes unter uns behalten.«

»In Ordnung«, sagte der Junge, denn er hatte nicht die Absicht, das Geheimnis an Freunde zu verraten, im Gegenteil, es gefiel ihm ganz gut, mehr zu wissen und mehr zu können als sie.

Er muckste sich nicht, während seine Tante ihr ungekämmtes Haar hinten zusammenband, ihren Gürtel fester knüpfte und sich niederließ, wiederum mit überkreuzten Beinen. Sie warf einige Hände voll Blätter ins Feuer, so daß sich der Rauch überall ausbreitete und die Hütte füllte. Dann begann sie zu singen. Manchmal änderte sie ihre Stimme, die einmal hoch, einmal tief klang, so als ob ein anderer aus ihr sänge, und der Gesang fand kein Ende, bis der Junge nicht mehr wußte, ob er schlief oder wachte. Während der ganzen Zeit saß der alte schwarze Hund des Zauberweibes, der nie bellte, neben ihm mit Augen, die rot waren vom Rauch. Dann sprach das Zauberweib mit Duny in einer Sprache, die er nicht verstand, und er mußte Sprüche und Worte nachsprechen, bis der Zauber über ihn kam und ihn festhielt.



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