Zwar gehörte das Zauberweib von Gont keineswegs zu den Hexen der Schwarzen Künste, sie mischte sich auch nicht in die Hohen Künste oder in den Umgang mit Urkräften, aber da sie ein unwissendes Weib war, das unter unwissendem Volk hauste, lag ihren Bemühungen oft eine ganz primitive und zweifelhafte Absicht zu Grunde. Sie wußte nichts vom Gleichgewicht und von der Formgebung, die der wahre Zauberer kennt, denen er dient und die ihn lehren, Magie nur im äußersten Notfall auszuüben. Sie hatte für jede Gelegenheit einen Spruch bereit und beschäftigte sich praktisch dauernd damit, irgendeinen Zauber zu bewerkstelligen. Viel davon war Humbug und nutzlos, denn sie konnte die wahren von den falschen Zaubersprüchen nicht unterscheiden. Aber ihre Verwünschungen waren fast immer erfolgreich, ja man konnte fast sagen, daß sie eher eine Krankheit verursachen als heilen konnte. Wie jedes in einem Dorf ansässige Zauberweib war sie geschickt im Mischen von Liebestränken, aber es gab auch andere, schlimmere Tränke, die sie auf Wunsch braute, um Eifersucht und Haß zu stillen. Dieses Wissen verbarg sie vor ihrem jungen Lehrling, und soweit es in ihrer Macht lag, lehrte sie ihn ein ehrliches Gewerbe. Duny hatte seine kindliche Freude daran, die magische Kunst zu erlernen. Sie machte ihn zum Meister über alles Getier, das fliegende und das kriechende, und zeigte ihm das wahre Wesen ihrer Natur. Diese Freude blieb ihm den Rest seines Lebens. Oft, wenn die Kinder ihn auf den hohen Almen sahen, war er von einem Raubvogel umschwirrt, und sie begannen, ihn den »Sperber« zu nennen. Dieser Name blieb ihm und wurde von all denen gebraucht, die seinen wahren Namen nicht kannten. Da das Zauberweib ihm oft vom Ruhm und Reichtum und von der großen Macht erzählte, die ein Zauberer über die Menschen erringen konnte, nahm sich Duny vor, mehr von der Zauberkunde zu erlernen. Das Lernen fiel ihm leicht. Das Zauberweib lobte ihn oft, und die Kinder begannen ihn zu fürchten.


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