Der Sonnenaufgang brachte dichten, weißen Nebel, nicht ungewöhnlich im Herbst hier oben auf der Insel. Die Dorfbewohner standen zwischen ihren Hütten und Häusern entlang der krummen Straße von Zehnellern. In ihren ungeübten Händen hielten sie Pfeil und Bogen und die neugeschmiedeten Speere, aber sie wußten nicht, ob die Kargs noch weit weg oder schon ganz nahe waren. Unbeweglich und still standen sie und starrten in den Nebel, der alle Umrisse, Entfernungen und Gefahren vor ihren Augen verbarg.

Unter ihnen stand Duny. Er hatte die ganze Nacht am Blasebalg geschuftet. Ohne auszusetzen hatte er die beiden langen Bälge aus Ziegenleder gezogen und geschoben, um den Luftstrom zum Anfachen des Feuers zu erzeugen. Jetzt taten ihm seine Arme weh und zitterten derart, daß er Mühe hatte, den Speer, den er selbst gewählt hatte, zu halten. Er wußte nicht, was er tun konnte, um dem Dorf zu helfen, denn zum Kämpfen taugte er bestimmt nicht. Schwer lag der Gedanke auf ihm, daß er nun wohl sterben mußte, aufgespießt auf einer kargischen Lanze, obwohl er doch nur ein Junge war, und daß er das ewig dunkle Land betreten sollte, ohne je seinen wahren Namen, seinen Mannesnamen, erfahren zu haben. Er betrachtete seine dünnen Arme, feucht vom Nebeltau, und war wütend auf seine Schwäche, denn er wußte um seine Stärke. Er fühlte die in ihm schlummernde Macht, aber wenn er nur wüßte, wie sie zu gebrauchen sei. Er ging alle Zaubersprüche durch, die ihm helfen oder zumindestens eine Chance geben würden. Aber die Not allein löst keine Macht aus: Wissen ist vonnöten.

Unter den wärmenden Strahlen der Sonne, die sich rund über den Gipfel in einen klaren Himmel erhob, verzog sich allmählich der Nebel. In den sich teilenden, schwebenden Nebelfetzen gewahrten die Dorfbewohner eine Schar von Kriegern, die den Berg heraufstiegen. Sie trugen Bronzehelme, Beinschienen und Brustpanzer aus schwerem Leder, Schilde aus Holz und Bronze; in ihren Händen hielten sie Schwerter und die langen kargischen Lanzen.



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