
Sie warf einen schnellen, wehmütigen Blick auf das Bild ihres dicken Mannes und schob Antje vor den schwarzen Telefonkasten.
Schüchtern blickte die junge Frau auf die glitzernde Drehscheibe, nahm zögernd den Hörer ab und wählte mit unsicheren Fingern die Nummer der Sparkasse. Nach einer Weile des Wartens meldete sich eine Stimme. Antje stotterte in die Muschel:
»Ja ... hier Antje van Brouken ... Ist mein Mann noch da? ... Brouken ... Ja! - Nein? Wieso nein?! Mein Mann ist richt da? Wieso? Ja ... er ist noch nicht hier ... Was? - Er ist pünktlich weggegangen? Ja - danke ... «
Klick!
Der Hörer lag auf der Gabel. Ratlos blickte sich Antje nach der Inspektorswitwe um.
»Er ist nicht da«, stammelte sie. »Er ist pünktlich weggegangen ...«
Die alte, joviale Dame lächelte und streichelte ihr über das helle Haar.
»Nur keine Sorge, kleines Frauchen. Wird schon einen Freund getroffen haben oder einen früheren Schulkameraden, und nun sind sie ... «
Antje schüttelte den Kopf.
»Pieter hat keinen Freund«, unterbricht sie. »Er ist immer pünktlich!«
»Vielleicht ein Kollege.«
»Dann hätte er angerufen.«
»Oder er ist auf dem Weg hierher durch irgend etwas aufgehalten worden«, wagte die Dame einzuwenden.
»Pieter läßt sich nicht abhalten!« sagte Antje fest und setzte sich neben das Telefon auf einen dunkelblauen Plüschstuhl. Und plötzlich wurden ihre hellen, blauen, gütigen Augen starr und groß, und sie stammelte: »Da ist etwas geschehen - ein Unglück, irgend etwas Schreckliches ... ich fühle es - mein Gott ...«
Ohne daß sie es wollte, weinte sie lautlos. Die Tränen rannen ihr einfach aus den Augen, und sie hatte keine Kraft, sie zurückzuhalten.
