
Der eine lehnte seinen Kameraden an eine Steinbalustrade und trat dann zur Kutsche. Bolitho erkannte, daß der Mann, der sich an dem steinernen Geländer festhielt, blind war; er wandte den Kopf zur Straße hin, als horche er, wo sein Freund geblieben war. Worte waren da überflüssig. Der Soldat blickte den Kutscher und den Lakaien nur an und hielt die Hand auf. Die Geste war weder aggressiv noch unterwürfig, aber seltsam eindringlich. Nach kurzem Zögern steckte der Kutscher die Hand in die Innentasche seines schweren Mantels.
In diesem Moment lief ein Herr eilig die Freitreppe der Admiralität hinab und riß die Kutschentür auf. Sein Mantel war so warm wie elegant, und die Schnallen auf seinen Schuhen blitzten in dem wässerigen Sonnenlicht. Er starrte den Soldaten an und sagte ärgerlich etwas zu dem Kutscher. Der Lakai eilte zu den Pferden und nahm ihnen die Futtersäcke ab, und in Sekundenschnelle war die Equipage im geschäftigen Strom der Kutschen und Lastwagen verschwunden. Der Soldat starrte ihr einen Augenblick nach, hob dann resigniert die Schultern und ging zu seinem Kameraden zurück. Die Arme untergehakt, schlurften sie langsam auf die nächste Straßenecke zu.
Bolitho bemühte sich, das Fenster aufzumachen, aber der Riegel klemmte. Scham und Ärger über das eben Gesehene stiegen in ihm hoch.
«Kann ich Ihnen behilflich sein, Sir?«fragte jemand hinter ihm: die Ordonnanz von vorhin.
«Ich wollte zwei Invaliden ein bißchen Geld hinunterwerfen«, antwortete Bolitho.
Der Mann schien erstaunt.»Mein Gott, Sir, daran gewöhnt man sich in London.»
«Ich nicht.»
«Ich wollte Ihnen melden, Sir, daß Sir John Sie jetzt empfangen möchte.»
Bolitho folgte ihm auf den Flur. Er verspürte eine plötzliche Trockenheit in der Kehle. Deutlich erinnerte er sich an seinen letzten Besuch hier im Hause; fast auf den Tag einen Monat war das her.
