Ein älterer Schwarzer erwählt Booker zu seinem Anwalt, und sie stecken über dem Tisch die Köpfe zusammen. Ich versuche, nicht zuzuhören. Irgend etwas über eine Ex-Ehefrau und eine Scheidung vor vielen Jahren, die vielleicht vollzogen wurde oder auch nicht. Booker macht sich Notizen wie ein richtiger Anwalt und hört aufmerksam zu, als wüßte er genau, was er zu tun hat.

Wenigstens hat Booker einen Mandanten. Volle fünf Minuten komme ich mir ausgesprochen dämlich vor. Ich sitze allein da, während meine drei Mitstudenten flüstern und kritzeln, aufmerksam zuhören und angesichts der sich vor ihnen entfaltenden Probleme die Köpfe schütteln.

Meine Einsamkeit bleibt nicht unbemerkt. Schließlich greift Miss Birdie in ihre Handtasche, holt einen Umschlag heraus und trippelt zu meinem Ende des Tisches.»Sie sind es, mit dem ich reden wollte«, flüstert sie und rückt ihren Stuhl dicht an die Tischecke heran. Sie beugt sich vor, und ich lehne mich nach rechts, und in genau diesem Moment, in dem unsere Köpfe nur Zentimeter voneinander entfernt sind, beginnt meine erste Konferenz als juristischer Berater. Booker wirft mir einen boshaften Blick zu.

Meine erste Konferenz. Vorigen Sommer habe ich für eine kleine Kanzlei in der Innenstadt gearbeitet, zwölf Anwälte, und ihre Arbeit wurde strikt nach Stunden abgerechnet. Keine Erfolgshonorare. Ich lernte die Kunst des In-Rechnung-Stel-lens, deren erste Regel besagt, daß ein Anwalt einen Großteil seiner wachen Stunden in Konferenzen verbringt. Konferenzen mit Mandanten, Telefonkonferenzen, Konferenzen mit gegnerischen Anwälten, Richtern, Partnern, Schadensregulie-rern, Schreibern und Anwaltsgehilfen, Konferenzen beim Lunch, Konferenzen im Gericht, Konferenztelefonate, Vergleichskonferenzen, Konferenzen bei Vorverhandlungen und nach Abschluß eines Verfahrens. Einerlei, um was es sich handelt — Anwälte können es in eine Konferenz ummünzen.



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