
Das Testament ist fast zwei Jahre alt.»Wann ist Ihr Anwalt gestorben?«frage ich jetzt zuckersüß. Unsere Köpfe sind nach wie vor gesenkt und unsere Nasen nur Zentimeter voneinander entfernt.
«Voriges Jahr. Krebs.«
«Und im Augenblick haben Sie keinen Anwalt?«
«Würde ich hier sitzen und mit Ihnen reden, Rudy, wenn ich einen hätte? Ein Testament ist eine ziemlich simple Angelegenheit, also dachte ich, Sie kämen damit zurecht.«
Habgier ist etwas Merkwürdiges. Ich habe einen Job und fange am 1. Juli bei Broadnax and Speer an, einer muffigen kleinen Tretmühle mit fünfzehn Anwälten, die fast ausschließlich Versicherungsgesellschaften bei Prozessen vertreten. Es ist nicht der Job, den ich gern gehabt hätte, aber wie die Dinge liegen, bekam ich von Broadnax and Speer ein Angebot und von niemandem sonst. Vermutlich werde ich ein paar Jahre dort arbeiten und mir dann etwas Besseres suchen.
Würden die Leute bei Broadnax and Speer nicht beeindruckt sein, wenn ich gleich an meinem ersten Tag eine Mandantin mitbrächte, die mindestens zwanzig Millionen Dollar besitzt? Ich würde auf der Stelle ein Regenmacher sein, ein strahlender Jungstar mit einem goldenen Händchen. Vielleicht würde ich sogar um ein größeres Büro bitten.
«Natürlich komme ich damit zurecht«, sage ich lahm.»Es ist nur, es geht um eine Menge Geld, und ich…«
«Pst!«zischt sie wütend und beugt sich sogar noch weiter vor.»Reden Sie nicht von dem Geld. «Ihre Augen schießen in alle Richtungen, als lauerten hinter ihr Diebe.»Ich will nicht, daß wir darüber reden«, erklärt sie.
«Okay. Ist mir recht. Aber ich meine, daß Sie vielleicht über diese Sache mit einem Steueranwalt reden sollten.«
«Das hat mein alter Anwalt auch gesagt, aber ich will nicht. Soweit es mich angeht, ist ein Anwalt wie der andere, und ein Testament ist ein Testament.«
