Alden nickte. »Du musst ein wenig Geduld mit ihr haben«, sagte er zögernd. »Ich weiß, dass sie schwierig sein kann, aber...« Er erstarrte vor Verblüffung, als Shaman auf ihn zukam und die Arme um ihn legte. Das gehörte nicht zu ihrer Beziehung; Männer umarmten einander nicht. Verlegen klopfte ihm der Knecht auf die Schulter.

Einen Augenblick später wünschte Shaman ihm gute Nacht, blies die Laterne aus und ging über den dunklen Hof zur Küche, wo, nachdem alle anderen gegangen waren, seine Mutter auf ihn wartete.

Das Vermächtnis

Am nächsten Morgen hatte Shaman Kopfschmerzen, obwohl der Pegel der goldbraunen Flüssigkeit in Aldens Flasche nur um wenige Zentimeter gesunken war. Er hatte schlecht geschlafen; die alte Seilmatratze war seit Jahren nicht nachgespannt, geschweige denn neu geknüpft worden. Beim Rasieren schnitt er sich ins Kinn. Doch im Verlauf des Vormittags wurde das alles unwichtig. Sein Vater war schon beerdigt worden, da er an Typhus gestorben war, aber mit dem Gottesdienst hatte man bis zu Shamans Rückkehr gewartet. In der kleinen First Baptist Church drängten sich zwei Generationen von Patienten, die von seinem Vater entbunden oder behandelt worden waren, sei es wegen ihrer Krankheiten, einer Schrotkugel oder Stichwunde, Hautausschlägen, Knochenbrüchen und wer weiß welchen anderen Beschwerden. Reverend Sydney Blackmer hielt seinen Nachruf herzlich genug, um unter den Versammelten keine Verärgerung aufkommen zu lassen, aber doch nicht so herzlich, dass man auf den Gedanken kommen konnte, es sei in Ordnung, so zu sterben, wie Dr. Robert Judson Cole es getan hatte: ohne der allselig machenden Kirche beigetreten zu sein. Shamans Mutter hatte mehrmals dankbar erwähnt, dass Mr. Blackmer es aus Hochachtung für sie gestattet hatte, ihren Gatten in der geweihten Erde des Kirchhofs zu begraben.



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