»Ja.« Shaman wusste, dass er aufgrund seiner Taubheit erkannt worden war.

»An mich erinnern Sie sich wohl nicht mehr? Frank Fletcher? Hab’ draußen an der Hooppole Road Mais angebaut. Ihr Daddy hat sich über sechs Jahre lang um uns sieben gekümmert, bis ich dann verkauft habe und zur Eisenbahn gegangen bin. Wir sind nach East Moline gezogen. Ich weiß noch, wie Sie als Knirps manchmal mitgekommen sind. Hinten auf dem Pferd haben Sie sich festgeklammert, als war’s ums Leben gegangen.«

Hausbesuche waren für seinen Vater die einzige Möglichkeit gewesen, mit seinen Söhnen zusammenzusein, und den Jungen hatte es sehr gefallen, ihn bei diesen Ausritten zu begleiten. »Jetzt erinnere ich mich an Sie«, sagte er zu Fletcher, »und an Ihre Farm. Ein weißgestrichenes Holzhaus, daneben der rote Stall mit Blechdach und die alte Torfhütte, die Sie als Lagerraum benutzt haben.«

»Ja, genauso war’s. Manchmal sind Sie mitgekommen, manchmal Ihr Bruder - wie heißt er gleich wieder?«

»Sie meinen Bigger, meinen Bruder Alex.«

»Ja. Wo steckt der jetzt?«

»Beim Militär.« Er sagte nicht, in welcher Armee.

»Natürlich. Und Sie werden wohl Pfarrer?« fragte der Schaffner mit einem Blick auf den schwarzen Anzug, der vierundzwanzig Stunden zuvor noch auf einem Verkaufsständer bei Seligman’s in Cincinnati gehangen hatte.

»Nein, ich bin auch Arzt.«

»Mein Gott. Sie sind doch noch gar nicht alt genug.« Shaman spürte, dass seine Lippen sich verkrampften, denn mit seiner Jugend kam er schwerer zurecht als mit seiner Taubheit.

»Ich hin alt genug. Hab’ in einem Krankenhaus in Ohio gearbeitet. Mr. Fletcher... mein Vater ist am Donnerstag gestorben.« Fletchers Lächeln verschwand so langsam und vollständig, dass kein Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Trauer blieb. »Ach. Wir verlieren doch immer die Besten, nicht? Im Krieg?«

»Er war schon wieder zu Hause. Im Telegramm stand Typhus.«



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