Sie kennt mich nur als Shaman Bond. Was sogar gut ist, denn sonst fühlt sie sich vielleicht verpflichtet, mich umzubringen.

Nickie lächelte mich liebenswert an. »Shaman, Liebling, gut siehst du aus! Tut mir leid wegen dieses Auslieferungsantrags letztes Jahr, aber irgendein verrückter Beamter weiter oben in der Hierarchie hatte sich in die Idee verrannt, du würdest im Manifesten Schicksal eine große Rolle spielen. Ich habe versucht, ihm das auszureden, aber keiner hört heutzutage mehr auf eine einfache Agentin. Nur die Computer zählen jetzt, alles Trends und Vorhersagen. Verdammte Erbsenzähler!« Sie sah mich nachdenklich an. »Wie hast du es denn geschafft, uns aus dem Weg zu gehen, Shaman?«

»Schön, dich wiederzusehen, Nickie«, sagte ich nüchtern. »Willst du mich nicht deinem Freund vorstellen?«

Nickie lächelte den älteren Gentleman neben sich, der gedankenverloren in die Ferne starrte, liebevoll an. »Aber ja. Das ist ein Kollege von mir, Shaman. Darf ich dir eine der lebenden Legenden der CIA vorstellen, Stephen Victor. Er befindet sich auf seiner Abschiedsreise durch Europa.«

Ich kannte den Namen. Damals in den Siebzigern war er ganz klar ein Major Player gewesen. Er war für seine Masche bei Frauen bekannt. Eine Ein-Mann-Honigfalle, nach allem, was man so hörte. Frauen aller Parteien des Kalten Krieges konnten es nicht erwarten, mit ihm ins Bett zu springen und ihm alle Geheimnisse zu verraten, die sie kannten. Er konnte erst Anfang Sechzig sein, sah aber ungefähr zwanzig Jahre älter aus. Er hatte einen großen, beinahe adligen Kopf, nur wenig eingefallen, mit einer Mähne silbergrauen Haars; aber auch wenn sein Mund einen entschlossenen Zug aufwies, wirkten seine Augen vage und weit weg.



17 из 435