Ein leichter Schauer überfiel Bolitho; er verschränkte die Hände unter den Rockschößen und blickte zu den mächtigen Rahen hoch, über denen die Konteradmiralsflagge feucht und schwer vom Kreuzmast hing. Kaum zu glauben, daß dieser Himmel irgendwo auf der Welt klar, warm und freundlich war; an diesem Maimorgen hätte die Sonne eigentlich schon das Land berühren sollen, das immer näher kam. Sein Land: Cornwall.

Er wandte sich um. Da stand Keverne, der Erste Offizier, sah ihn aufmerksam an und wartete offenbar auf den richtigen Moment.

Bolitho rang sich ein Lächeln ab.»Guten Morgen, Mr. Keverne. Kein rauschender Willkomm, wie mir scheint.»

Keverne war deutlich erleichtert.»Guten Morgen, Sir. Der Wind ist stetig Südwest, aber viel ist es nicht damit. «Er drehte nervös an seinen Rockknöpfen.»Der Master

Bolitho sah kurz zu dem kleinen rundlichen Segelmeister hinüber. Sein abgetragener schwerer Rock war bis an das Doppelkinn zugeknöpft, und in dem seltsamen Gegenlicht sah der Mann aus wie ein runder blauer Ball. Er war vorzeitig ergraut, beinahe weiß, und trug das Haar im Nacken zu einem altmodischen Zopf gebunden, so daß es an die gepuderte Perücke eines Gutsbesitzers erinnerte.

«Na, Mr. Partridge«, Bolitho versuchte wieder, etwas Wärme in seinen Ton zu legen,»Sie sind doch sonst nicht so schüchtern vor einer Küste?»

Partridge trat nervös von einem Fuß auf den anderen.»Bin noch nie in Falmouth vor Anker gegangen. Das heißt, noch nie mit einem Drei-decker.»

Bolitho befahl dem Steuermannsmaaten:»Geht nach vorn und setzt zwei gute Lotgasten in die Rüsten. Das Lot braucht frischen Talg. Ich will keine falschen Meldungen hören!»

Wortlos eilte der Mann davon. Bolitho war überzeugt, er würde wie alle anderen an Bord auch ohne besonderen Befehl wissen, was zu tun war, ebenso wie er selbst wußte, daß er das nur gesagt hatte, um Zeit zu gewinnen und über seine Motive nachdenken zu können.



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