- Falsch, falsch! entgegnete der Andre, der Atabapo ist der richtige Orinoco, nicht aber der Guaviare!

- O, liebe Freunde, fiel da Herr Miguel ein, ich bleibe lieber bei dem Glauben, daß einer der schönsten Ströme Amerikas kein andres Land als das unsre bewässert.

- Hier handelt es sich nicht um eine Frage patriotischer Eigenliebe, entgegnete Herr Varinas, sondern um eine geographische Thatsache. Der Guaviare.

- Nein doch, der Atabapo!« rief Herr Felipe.

Die beiden Gegner, die lebhaft aufgesprungen waren, sahen einander scharf ins Auge.

»Meine Herren. meine Herren! Ich bitte Sie.!« fiel Herr Miguel, ein trefflicher Mann von sehr versöhnlicher Natur, beschwichtigend ein.

An der Wand des Raumes, der jetzt von den Salven dieses Wortgefechtes widerhallte, hing eine umfängliche Landkarte. Sie umfaßte, in großem Maßstabe gezeichnet, die neunhundertzweiundsiebzigtausend Quadratkilometer der Oberfläche des spanisch-amerikanischen Venezuela. Welchen Wechselfällen war das schöne Land durch politische Ereignisse unterworfen gewesen seit dem Jahre 1499, wo Hojeda, der Gefährte Florentin Amerigo Vespucci's, als er, am Ufer der Bai von Maracaibo ans Land gehend, hier einen mitten in den Lagunen auf Pfählen erbauten Flecken vorfand, dem er den Namen Venezuela, d.i. Klein-Venedig, beilegte! Die Karte stellte den Staat so dar, wie er sich nach dem »Grundgesetz« gestaltet hatte, also nach dem Unabhängigkeitskampfe, dessen Hauptheld Simon Bolivar war, nach der Begründung des Generalkapitanats Caracas und nach der 1839 eingetretenen Trennung zwischen Columbia und Venezuela. einer Trennung, die letzteres zu einer unabhängigen Republik machte. Farbige Linien bezeichneten im Orinocobecken die Grenzen der drei Provinzen Varinas, Guyana und Apure. Das Relief seiner orographischen Anordnung und die Verzweigungen seines hydrographischen Systems hoben sich, mit dem Netze seiner größern und kleinern Wasserläufe, durch vielfache Schraffierung darauf deutlich ab. Man sah da den Verlauf der Küste am Antillen-Meere von der Provinz Maracaibo mit der gleichnamigen Hauptstadt aus bis zum Mündungsdelta des Orinoco, das die Grenze gegen BritischGuyana bildet.



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