
- Irrthum! Irrthum! rief der Genannte.
- Noch der von meinem Freunde Varinas empfohlene Guaviare.
- Die reine Ketzerei! polterte der Zweite hervor.
- Und ich ziehe daraus den Schluß, fuhr Herr Miguel fort, daß der Name Orinoco dem Oberlaufe des Stromes vorbehalten bleiben muß, dessen Quellen an dem Bergstock der Parima hervorbrechen. Er verläuft vollständig durch das Gebiet unsrer Republik und benetzt keine andre. Der Guaviare und der Atabapo werden sich wohl oder übel mit der Rolle von Nebenflüssen des Hauptstromes begnügen müssen, eine Rolle, die in der Geographie doch recht annehmbar erscheint.
- Die ich aber nicht annehme! rief Herr Felipe.
- Und die ich rundweg ausschlage!« secundierte ihm Herr Varinas.
Das Ergebniß der Vermittlung des Herrn Miguel in dieser hydrographischen Frage lief also darauf hinaus, daß jetzt drei, statt früher zwei Personen für den Guaviare, den Orinoco und den Atabapo eintraten. Der Streit dauerte noch eine volle Stunde an und würde vielleicht überhaupt niemals ein Ende gefunden haben, wenn nicht Felipe von der einen und Varinas von der andern Seite plötzlich gerufen hätten:
»Wohlan. so reisen wir zur Entscheidung selbst ab!.
- Abreisen? erwiderte Herr Miguel, der einen solchen Vorschlag kaum erwartet hätte.
- Ja ja! erklärte Herr Felipe. Brechen wir nach San-Fernando auf, und wenn ich Sie da nicht einwurfsfrei davon überzeuge, daß der Atabapo der Orinoco ist.
- Und ich, schnitt ihm Herr Varinas das Wort ab, Ihnen nicht haarklein beweise, daß der Guaviare den eigentlichen Orinoco darstellt.
- So wird es meine Aufgabe sein, schloß Herr Miguel, Sie zu der Anerkennung zu zwingen, daß nur der Orinoco in der That der Orinoco ist!«
Unter solchen Verhältnissen und in Folge des berichteten Wortgefechts beschlossen die drei Männer eine derartige Reise. Vielleicht wurde durch diese neue Expedition endlich der Lauf des venezuolanischen Stromes festgestellt, wenn das durch die letzten Forschungsreisen noch nicht endgiltig geschehen war.
