George R. R. Martin

Der Thron der Sieben Königreiche

Das Lied von Eis und Feuer 3

Für John und Gail, in Erinnerung an das Fleisch und den Met, den wir teilten…




Prolog

Der Kometenschweif zog sich, einer blutroten Wunde gleich, durch den purpur- und rosafarbenen Morgenhimmel über den zerklüfteten Felsen von Dragonstone.

Der Maester stand auf dem windgepeitschten Balkon vor seinem Zimmer. Hierher kehrten die Raben nach ihren langen Flügen zurück. Die dämonischen Steinfiguren, die sich rechts und links von ihm drei Meter in die Höhe erhoben, ein Zerberus und ein geflügelter Drache, zwei der tausend Figuren auf den Mauern der betagten Festung, waren mit dem Kot der Vögel gesprenkelt. Bei seiner Ankunft in Dragonstone hatten ihm die grotesken Steine ein unbehagliches Gefühl bereitet, doch über die Jahre hinweg hatte er sich an sie gewöhnt. Mittlerweile betrachtete er sie als alte Freunde. Von Vorahnungen erfüllt, beobachteten die drei gemeinsam den Himmel.

An Omen glaubte der Maester nicht. Dennoch hatte Cressen in seinem langen Leben noch keinen Kometen gesehen, der nur halb so hell oder in dieser Farbe geleuchtet hätte, dieser entsetzlichen Farbe des Blutes, der Flamme und des Sonnenunterganges. Er fragte sich, ob seine granitenen Gefährten je einen derartigen Anblick zu Gesicht bekommen hatten. Schließlich harrten sie schon seit Ewigkeiten hier aus und würden noch da sein, wenn er selbst längst von dieser Welt Abschied genommen hatte. Wenn ihre Zungen sprechen könnten…



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