
Der verwegene Junge mit dem wilden schwarzen Haar und den lachenden Augen war inzwischen ein erwachsener Mann, einundzwanzig, und noch immer trieb er seine Spielchen. Seht mich an, ich bin ein König, dachte Cressen traurig. Oh, Renly, mein liebes süßes Kind, weißt du eigentlich, was du tust? Und würde es dir etwas ausmachen, wenn du es wüßtest? Sorgt sich außer mir überhaupt jemand um ihn?» Welche Gründe haben die Lords für ihre Weigerung vorgebracht?«fragte er Ser Davos.
«Nun, was das angeht, so haben sich manche herausgeredet, andere waren ganz offen, einige haben sich entschuldigt, und ein paar haben schlicht gelogen. «Er zuckte mit den Schultern.»Am Ende sind Worte doch nur Wind.«
«Konntet Ihr ihm keine Hoffnung bringen?«
«Nur von der trügerischen Art, und das wollte ich nicht«, erwiderte Davos.»Ich habe ihm die Wahrheit gesagt.«
Maester Cressen erinnerte sich an den Tag, an dem Davos zum Ritter geschlagen worden war, nach der Belagerung von Storm's End. Lord Stannis und eine kleine Besatzung hatten die Burg fast ein Jahr gegen das große Heer der Lords Tyrell und Redwyne gehalten. Selbst das Meer bot keinen Ausweg, da es Tag und Nacht von Redwynes Galeeren unter dem burgunderroten Banner von Arbor überwacht wurde. In Storm's End hatte man längst die Pferde geschlachtet und gegessen, die Hunde und Katzen waren verschwunden, geblieben waren lediglich Wurzeln und Ratten. Schließlich kam jene Neumondnacht, in der sich die Sterne hinter schwarzen Wolken verbargen. In dieser Finsternis hatte Davos, der Schmuggler, es gewagt, dem Kordon Redwynes und den Klippen der Shipbreaker Bay zu trotzen. Sein kleines Schiff hatte einen schwarzen Rumpf, schwarze Segel und schwarze Ruder, und der Frachtraum war gefüllt mit Zwiebeln und in Salz gepökeltem Fisch. Obwohl es sehr klein war, hatte es die Besatzung der Burg lange genug am Leben halten können, bis Eddard Stark Storm's End erreichte und der Belagerung ein Ende setzte.
