In seiner Jugend hatte Cressen einen forschen Schritt vorgelegt, doch inzwischen war er nicht mehr weit von seinem achtzigsten Namenstag entfernt und wankte leicht auf seinen gebrechlichen Beinen. Vor zwei Jahren war er gestürzt und hatte sich die Hüfte gebrochen, und diese Verletzung war nie vollständig ausgeheilt. Im vergangenen Jahr war er erkrankt, und die Citadel hatte — nur wenige Tage, bevor Lord Stannis die Insel abriegeln ließ — Pylos aus Oldtown geschickt. Damit er ihn bei der Arbeit unterstützte, hieß es, aber Cressen wußte um die Wahrheit. Pylos war gekommen, um nach seinem Tod den Platz des Maesters einzunehmen. Er verübelte es ihm nicht. Jemand mußte an seine Stelle treten, und zwar vermutlich früher, als es ihm gefiel…

Er ließ sich von dem jüngeren Mann zu seinen Büchern und Schriftrollen geleiten.»Geht und führt sie herein. Eine Dame läßt man nicht warten. «Sein Winken war eine schwache Aufforderung zur Eile, der Mann selbst hingegen war zu Hast nicht mehr imstande. Das Fleisch war runzlig, die Haut dünn wie Papier und mit Altersflecken übersät, und darunter zeichneten sich das Netz der Venen und die Schatten der Knochen ab. Und wie sie zitterten, diese einst so gewandten Hände…

Pylos kehrte mit dem schüchternen Mädchen zurück. Hinter ihr folgte in seinem hüpfenden, schlurfenden seitlichen Gang der Narr. Auf dem Kopf trug er diesen lächerlichen Helm aus einem alten Blecheimer, an dem ein mit Kuhglöckchen behängtes Hirschgeweih angebracht war. Bei jedem seiner torkelnden Schritte klingelten die Schellen, jede in einem anderen Ton, klingeling, ding, dong, klingeling.

«Wer kommt uns da so früh besuchen, Pylos?«fragte Cressen.

«Ich bin es, und bei mir ist Flick, Maester. «Sie blinzelte mit arglosen blauen Augen. Ihr Gesicht konnte man beim besten Willen nicht hübsch nennen.



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