„Vielleicht gibt es Lebensformen, Meereswesen, die sich im Ozean verbergen und auf seinem Grunde eine Zivilisation geschaffen haben“, mutmaßte Rohan.

Beide betrachteten die große Karte des Planeten in Mercatorprojektion.

Sie war ungenau, weil sie nach den Angaben automatischer Sonden im vergangenen Jahrhundert gezeichnet worden war. Auf ihr waren lediglich die Umrisse der wichtigsten Kontinente und der Ozeane eingetragen, die Bereichlinien der Polkappen und die größten Krater.

In dem Netz der Längen— und Breitengrade sah man unter dem achten Grad nördlicher Breite einen rotgerahmten Punkt: ihre Landestelle. Der Astrogator schob ungeduldig das Papier auf dem Kartentisch beiseite.

„Das glauben Sie doch selbst nicht!“ fuhr er ihn an.

„Tressor ist nicht dümmer gewesen als wir. Er hätte nicht vor Meereswesen kapituliert. Unsinn! Außerdem hätten solche vernunftbegabte Wesen, wenn es sie wirklich gäbe, zuallererst das Festland in Besitz genommen. Und sei es in wassergefüllten Skaphandern. Reiner Unsinn“, wiederholte er, nicht weil er Rohans Konzeption für ganz und gar unsinnig hielt, sondern weil er bereits an etwas anderes dachte.

„Wir werden eine Weile hierbleiben“, schloß er dann und berührte den unteren Rand der Karte, die sich leise knisternd zusammenrollte und in einem waagerechten Fach des großen Kartenschranks verschwand. „Wir warten ab, dann werden wir ja sehen.“

„Und wenn nicht?“ fragte Rohan vorsichtig. „Wollen wir sie dann suchen?“

„Seien Sie doch vernünftig, Rohan! Sechs Sternjahre und so ein…“ Der Astrogator suchte nach einem passenden Wort, fand es nicht und ersetzte es durch eine verächtliche Handbewegung.

„Der Planet ist so groß wie der Mars. Wie sollen wir sie da suchen? Das heißt, den ›Kondor‹?“

„Nun ja, der Boden ist eisenhaltig“, gab Rohan unlustig zu. Tatsächlich wiesen die Analysen des Sandes eine beträchtliche Beimischung von Eisenoxyden auf. Die Ferroinduktionswerte waren also nicht zu gebrauchen. Rohan wußte nicht, was er noch sagen sollte, deshalb schwieg er.



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