
»Haben Sie es nicht begriffen?«
Stillingfleet meinte: »Ich verstehe wirklich nicht, was Ihre Waschfrau damit zu tun hat, Poirot.«
»Meine Waschfrau«, erklärte Poirot, »spielt eine sehr wichtige Rolle. Diese miserable Frau, die dauernd meine Kragen ruiniert, erwies sich zum erstenmal in ihrem Leben nützlich. Aber sie müssen es doch auch erkennen, es starrt einem ja förmlich ins Gesicht. Mr. Farley sah sich die Mitteilung an - ein einziger Blick hätte ihm sagen müssen, daß es nicht der richtige Brief war. Und doch hat er nichts gemerkt. Warum? Weil er nicht richtig sehen konnte!«
Inspektor Barnett fragte scharf:
»Trug er keine Brille?«
Hercule Poirot lächelte.
»Doch«, sagte er. »Er hatte seine Brille auf. Das macht die Sache ja so interessant.«
Er beugte sich etwas vor.
»Mr. Farleys Traum war sehr wichtig. Sehen Sie, er träumte, daß er Selbstmord begehe. Und ein wenig später hat er tatsächlich Selbstmord begangen. Das heißt, er war allein in einem Zimmer, und der Revolver lag neben ihm. So wurde er jedenfalls aufgefunden. Und niemand hat den Raum betreten oder verlassen, als der Schuß abgegeben wurde. Was bedeutet das? Das bedeutet doch, daß es unbedingt Selbstmord sein muß!«
»Ja«, sagte Stillingfleet.
Hercule Poirot schüttelte aber den Kopf.
»Im Gegenteil«, behauptete er. »Es handelt sich um einen Mord. Einen ungewöhnlichen und sehr schlau geplanten Mord.«
Wiederum beugte er sich vor und klopfte mit dem Finger auf den Tisch, während seine Augen vor Erregung grün schimmerten.
»Warum gestattete mir Mr. Farley nicht, an jenem Abend sein Zimmer zu betreten? Was war darin, das ich um keinen Preis sehen durfte? Ich glaube, liebe Freunde, es war -Benedict Farley selber!«
Er lächelte die perplexen Gesichter an.
»Ja, ja, es ist kein Unsinn, den ich daherrede. Warum konnte Mr. Farley, mit dem ich gesprochen hatte, den Unterschied zwischen zwei völlig unähnlichen Briefen nicht erkennen? Weil er, liebe Freunde, ein Mann mit normalem Sehvermögen war, der sehr starke Gläser trug. Solche Gläser machen einen Menschen mit normaler Sehfähigkeit praktisch blind. Stimmt das nicht, Doktor?«
