
Er seufzte.»Leona, meinst du nicht, du steigerst dich da in etwas hinein? Ich habe den Eindruck, du kreist ständig um diese… Sache. Du grübelst zuviel, und diese Grübelei setzt sich natürlich nachts in Träume um. Du mußt dagegen angehen.«
«Denkst du, das versuche ich nicht? Ich bemühe mich ständig, mich abzulenken. Mit Arbeit, mit Sport, mit Gesprächen über Gott und die Welt. Ich setze mich bestimmt nicht hin und überlasse mich meinen trüben Gedanken.«»Dann dürftest du nicht ständig diese Träume haben. «Sie spürte Vorboten jener heftigen Wut, die stets in ihr emporkroch, wenn Wolfgang mit seinen Standardrichtlinien zur Bewältigung von Problemen anrückte. Wolfgang hatte unverrückbare Prinzipien, was Sorgen, Ängste, psychische Konfusionen anging.»Wenn du dieses oder jenes tust, dürfte dieses oder jenes nicht geschehen!«—»Wenn du dieses oder jenes nicht tust, müßte dieses oder jenes passieren.«
Wolfgang würde nie den Gedanken akzeptieren, daß sich das Leben einmal nicht nach den von ihm entwickelten Regeln richten könnte. Wenn die Dinge nicht so funktionierten, wie von ihm postuliert, dann lag die Schuld bei der Person, die eben irgend etwas falsch machte.
«Verdammt, Wolfgang, mach es dir doch nicht immer so leicht! Ich versuche, dagegen anzugehen, aber es gelingt nicht.
Vielleicht brauche ich mehr Zeit.«
«Das alles ist einfach eine Frage des Willens«, sagte Wolfgang und unterdrückte ein Gähnen. Bei ihm war alles immer eine Frage des Willens. Er hätte die Vorstellung nicht ertragen, daß es Bereiche im Leben geben könnte, die nicht durch bloße Willensanstrengung beeinflußbar waren. Für Wolfgang gab es die Begriffe Schicksal und Fügung nicht, ebensowenig wie Zufall oder Vorsehung.
