
«Bewegen Sie sich nicht«, sagte sie, überflüssigerweise, denn die Frau war noch ohnmächtig.»Ich werde Hilfe holen.«
In einiger Entfernung entdeckte sie einen Rentner, der seinen Cockerspaniel spazierenführte. Er war stehengeblieben und starrte herüber, aber seine Miene verriet, daß er entweder nicht richtig sah oder nicht begriff, was geschehen war.
Sie winkte ihm hektisch zu, er solle herkommen, aber er blieb stehen und glotzte. Sie sprang auf und lief zu ihm hinüber.
«Die Frau dort ist aus dem Fenster gesprungen!«rief sie.»Wohnen Sie hier? Können Sie den Rettungsdienst anrufen?«
Er starrte sie an.»Aus dem Fenster gesprungen?«
«Ja! Wir brauchen sofort einen Notarzt.«
«Sie können bei mir telefonieren«, bot er an,»ich wohne gleich dort. «Er wies auf eine behäbige Villa, nur wenige Meter entfernt, aber es schien Leona eine Ewigkeit zu dauern, bis er sich auch nur umgedreht hatte, und die schwerfälligen Schritte, mit denen er lostappte, ließen sie beinahe die Nerven verlieren. Aber so panisch sie auch ihre Augen umherschweifen ließ, nirgends konnte sie eine Telefonzelle entdecken. Immer wieder sah sie zu der Frau hinüber. Sie rührte sich nicht.
Der alte Mann kramte in seinen Hosentaschen nach dem Haustürschlüssel, ohne fündig zu werden, und der Hund fiepte. Leona vibrierte vor Ungeduld. Sie sah eine ältere Frau im Jogginganzug auf die Straße laufen.»Ich habe alles gesehen!«rief sie.»Ich habe den Notarzt angerufen!«
«Gott sei Dank«, sagte Leona und ließ den Alten stehen.
Die nächsten zwei Stunden waren ein Chaos aus Ärzten und Polizisten, aus Menschenauflauf und Straßensperre, aus Fragen, Mutmaßungen, neugierigen Blicken und gewisperten Geschichten. Leona stand im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, denn auf geheimnisvolle Weise hatte es sich sofort allseits herumgesprochen, daß sie Zeugin des Geschehens, erste Person am Unglücksort gewesen war.
