«Weil sie nichts anderes kriegen.«

«Nein, weil sie nichts anderes wollen — abgesehen vom deutschen. Aber wenn die den mal satthaben, greifen sie zum holländischen. Das war bei uns hier am Niederrhein schon vor hundert Jahren so und wird auch immer so bleiben. Wenn du was anderes denkst, dann verstehst du vom Geschäft nichts, dann hast zu zuwenig Erfahrung.«

«Und ich sage dir, die würden sich sehr rasch um einen echten Gorgonzola, zum Beispiel, reißen.«

«So, denkst du? Hast du schon einen echten Gorgonzola gegessen?«

«Nein.«

«Aber ich, als Soldat, beim Ringen um Sizilien mit den Amerikanern. Deshalb kann ich dir sagen, daß das nichts ist für den deutschen Geschmack. Zu scharf. Übrigens haben wir damals den Amis einen Kampf geliefert, von dem sie heute noch mit Hochachtung sprechen, wenn sie darauf kommen, weil — «

«Vater, ich bitte dich, fang nicht schon wieder mit deinem Krieg an…«

«Doch, das muß ich, weil euch diese Erfahrung fehlt. Du beweist es ja schon wieder mit deinem Gorgonzola. Siehst du, wir schreiben jetzt das Jahr 1950. Der Krieg ist erst wenige Jahre vorbei, und die Leute sind vollauf zufrieden mit unserem Edamer und Gouda. Warum auch nicht? Denkst du, die haben sich 1945 träumen lassen, wie gut es ihnen fünf Jahre später schon wieder geht. Fünf lächerliche Jährchen später! Die sind dankbar und denken nicht an italienischen Gorgonzola oder französischen Roquefort. Hast du Roquefort schon gegessen?«

«Nein, ich war ja nicht im Krieg.«

«Aber ich!«

«Vater, ich sehe — «

«Beim Kampf um den Atlantikwall — «»Ich sehe eine Zeit kommen, Vater, in der kein Mensch mehr von deinem Atlantikwall redet — aber von französischem und italienischem Käse. Deshalb solltest du ihn den Leuten jetzt schon anbieten, um der Konkurrenz voraus zu sein.«

«Konkurrenz? Welcher Konkurrenz?«



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