Erich Maria Remarque

Der Weg zurück

Eingang

Der Rest des zweiten Zuges liegt in einem zerschossenen Grabenstück hinter der Front und döst.

«Komische Art von Granaten — «, sagt Jupp plötzlich.

«Wieso?«fragt Ferdinand Kosole und richtet sich halb auf.

«Hör doch!«antwortet Jupp.

Kosole legt eine Hand hinters Ohr und lauscht. Wir horchen ebenfalls in die Nacht hinaus. Aber es ist nichts anderes zu vernehmen als das dumpfe Geräusch des Artilleriefeuers und das hohe Zwitschern der Granaten. Von rechts kommt dazu nur noch das Knarren von Maschinengewehren und ab und zu ein Schrei. Aber das kennen wir nun seit Jahren, deshalb braucht man doch nicht extra den Mund aufzumachen.

Kosole sieht Jupp bedenklich an.

«Jetzt hat's gerade aufgehört«, verteidigt sich der verlegen.

Kosole mustert ihn noch einmal forschend. Da Jupp jedoch ruhig bleibt, wendet er sich ab und brummt:»Dir zischt der Kohldampf im Bauch, das sind deine Granaten. Solltest lieber ein Auge voll Schlaf nehmen.«

Dabei klopft er aus der Erde eine Kopfstütze zurecht und streckt sich vorsichtig so aus, daß seine Stiefel nicht ins Wasser rutschen können.»Mensch, zu Hause hat man nun 'ne Frau und ein zweischläfriges Bett«, murmelt er, schon mit geschlossenen Augen.

«Wird schon einer dabei liegen«, gibt Jupp aus seiner Ecke zurück. Kosole öffnet ein Auge und wirft ihm einen scharfen Blick zu. Er sieht aus, als wollte er doch noch auf stehen. Dann aber knurrt er:»Möcht ich ihr nicht raten, du Rheineule. «Gleich darauf schnarcht er bereits.

Jupp macht mir ein Zeichen, zu ihm herüberzuklettern. Ich steige über Adolf Bethkes Stiefel und setze mich neben ihn. Mit einem behutsamen Blick nach dem Schnarchenden bemerkt er bitter:»Keine Ahnung von Bildung hat so was, sage ich dir.«

Jupp war vor dem Kriege Schreiber bei einem Rechtsanwalt in Köln.



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