»Mutti, gibt es jetzt Zauberer?« fragte Elli aufblickend.

»Nein, mein Kind. Zauberer gab es einst, doch dann verschwanden sie. Ich wüßte nicht, wer sie braucht. Auch ohne sie gibt es Sorgen genug…«

Elli rümpfte drollig die Nase:

»Ja, aber ohne Zauberer ist es doch langweilig. Wenn ich Königin wäre, würde ich unbedingt Befehl geben, daß jede Stadt und jedes Dorf einen Zauberer hat. Und daß er für die Kinder allerlei Wunder tut.«

»Welche zum Beispiel?« lächelte die Mutter.

»Nun… daß jedes Mädelchen und jeder Junge, wenn sie morgens aufwachen, einen großen Pfefferkuchen unterm Kissen finden… Oder…« Elli schaute mißmutig auf ihre derben, ausgetretenen Schuhe, »… daß alle Kinder schöne leichte Schuhe haben…«

»Schuhe bekommst du auch ohne Zauberer«, entgegnete Mutter Anna. »Vater nimmt dich auf den Markt mit und kauft dir welche…«

Während das Mädchen mit der Mutter sprach, verdunkelte sich der Himmel.


* * *


Zur gleichen Stunde saß in einem fernen Lande hinter hohen Bergen die böse Hexe Gingema in einer tiefen, finsteren Höhle und zauberte.

Es war unheimlich in dieser Höhle. Unter der Decke hing ein riesiges ausgestopftes Krokodil. Auf hohen Stäben saßen große Uhus, und von der Decke hingen Bündel getrockneter Mäuse herab, mit den Schwänzen an Schnürchen festgebunden wie Zwiebeln. Eine lange dicke Schlange, die sich um einen Pfeiler gewunden hatte, schaukelte gleichmäßig ihren bunten flachen Kopf. Diese und viele andere seltsame und grausige Dinge gab es in der weiten Höhle Gingemas.

Sie braute in einem großen verräucherten Kessel einen Zaubertrank, in den sie Mäuse hineinwarf, die sie, eine nach der andern, von dem Bündel pflückte.



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