Eine Menschentraube scharte sich um den Aufzug, und in der Ferne ertönten Sirenen. Ich müsste eigentlich hier bleiben, dachte Kelly schuldbewusst, aber ich kann nicht. Ich muss weg. Sie warf einen Blick auf die Leiche und flüsterte:

»Es tut mir so Leid, Madame Lapointe.«

Als Kelly beim Modehaus eintraf und den Eingang für die Mitwirkenden nahm, wartete Pierre, der nervöse Koordinator, bereits auf sie.

Er kam auf sie zugestürmt. »Kelly! Kelly! Du kommst zu spät! Die Modenschau hat bereits begonnen und ...«

»Tut mir Leid, Pierre. Es.. es gab einen schweren Unfall.«

Bestürzt schaute er sie an. »Bist du verletzt?«

»Nein.« Kelly schloss einen Moment lang die Augen. Bei der Vorstellung, dass sie nach dem, was sie soeben erlebt hatte, arbeiten sollte, wurde ihr übel, aber ihr blieb nichts anderes übrig. Sie war der Star der Modenschau.

»Beeilung!«, rief Pierre. »Vite!«

Kelly begab sich zu ihrer Garderobe.

Die renommierteste Modenschau des Jahres fand an der Rue Cambon statt, in dem Salon, in dem ursprünglich Chanel residiert hatte. Die Paparazzi hatten die vorderen Reihen in Beschlag genommen. Sämtliche Plätze waren besetzt, und weiter hinten standen dicht gedrängt weitere Gäste, die unbedingt einen Blick auf die neuesten Entwürfe für die kommende Saison werfen wollten. Der Raum war anlässlich des großen Ereignisses mit Blumen und Stoffbahnen geschmückt, aber niemand achtete auf das Dekor. Aller Augen waren auf den langen Laufsteg gerichtet - auf die farbenprächtige Parade der eleganten Schönheiten. Im Hintergrund lief leise Musik, deren langsamer, sinnlicher Rhythmus die anmutigen Bewegungen der Mannequins unterstrich.



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