
«Was dünkt euch von diesem Herrn?«fragte ich die Gesellschaft. — »Er sieht aus«, versetzte der eine,»als ob er nicht mit sich spaßen lasse.«—»Ja, ja«, sagte der andre,»er hat ganz das Ansehen so eines vornehmen Rührmichnichtan.«—»Und dessenungeachtet«, erwiderte ich ganz getrost,»was wettet ihr, ich will ihn bei der Nase zupfen, ohne daß mir deshalb etwas Übles widerfahre; ja ich will mir sogar dadurch einen gnädigen Herrn an ihm verdienen.»
«Wenn du es leistest«, sagte Raufbold,»so zahlt dir jeder einen Louisdor.«—»Kassieren Sie das Geld für mich ein«, rief ich aus;»auf Sie verlasse ich mich.«—»Ich möchte lieber einem Löwen ein Haar von der Schauze raufen«, sagte der Kleine. — »Ich habe keine Zeit zu verlieren«, versetzte ich und sprang die Treppe hinunter.
Bei dem ersten Anblick des Fremden hatte ich bemerkt, daß er einen sehr starken Bart hatte, und vermutete, daß keiner von seinen Leuten rasieren könne. Nun begegnete ich dem Kellner und fragte:»Hat der Fremde nicht nach einem Barbier gefragt?«—»Freilich!«versetzte der Kellner,»und es ist eine rechte Not. Der Kammerdiener des Herrn ist schon zwei Tage zurückgeblieben. Der Herr will seinen Bart absolut los sein, und unser einziger Barbier, wer weiß, wo er in die Nachbarschaft hingegangen.»
«So meldet mich an«, versetzte ich;»führt mich als Bartscherer bei dem Herrn nur ein, und Ihr werdet Ehre mit mir einlegen. «Ich nahm das Rasierzeug, das ich im Hause fand, und folgte dem Kellner.
Der alte Herr empfing mich mit großer Gravität, besah mich von oben bis unten, als ob er meine Geschicklichkeit aus mir herausphysiognomieren wollte.»Versteht Er Sein Handwerk?«sagte er zu mir.
«Ich suche meinesgleichen«, versetzte ich,»ohne mich zu rühmen. «Auch war ich meiner Sache gewiß: denn ich hatte früh die edle Kunst getrieben und war besonders deswegen berühmt, weil ich mit der linken Hand rasierte.
