(Marianne kommt.)

MARIANNE. Was willst du, Bruder? Du riefst mich.

WILHELM. Ich nicht, Marianne.

MARIANNE. Stiert dich der Mutwille, daß du mich aus der Küche hereinvexierst?

WILHELM. Du siehst Geister.

MARIANNE. Sonst wohl. Nur deine Stimme kenn' ich zu gut, Wilhelm!

WILHELM. Nun, was machst du draußen?

MARIANNE. Ich habe nur ein paar Tauben gerupft, weil doch wohl Fabrice heut abend mitessen wird.

WILHELM. Vielleicht.

MARIANNE. Sie sind bald fertig, du darfst es nachher nur sagen. Er muß mich auch sein neues Liedchen lehren.

WILHELM. Du lernst wohl gern was von ihm?

MARIANNE. Liedchen kann er recht hübsch. Und wenn du hernach bei Tische sitzest und den Kopf hängst, da fang' ich gleich an. Denn ich weiß doch, daß du lachst, wenn ich ein Liedchen anfange, das dir lieb ist.

WILHELM. Hast du mir's abgemerkt?

MARIANNE. Ja, wer euch Mannsleuten auch nichts abmerkte! — Wenn du sonst nichts hast, so geh' ich wieder; denn ich habe noch allerlei zu tun. Adieu. — Nun gib mir noch einen Kuß.

WILHELM. Wenn die Tauben gut gebraten sind, sollst du einen zum Nachtisch haben.

MARIANNE. Es ist doch verwünscht, was die Brüder grob sind! Wenn Fabrice oder sonst ein guter Junge einen Kuß nehmen dürfte, die sprängen wändehoch, und der Herr da verschmäht einen, den ich geben will. — Jetzt verbrenn' ich die Tauben. (Ab.)

WILHELM. Engel! lieber Engel! daß ich mich halte, daß ich ihr nicht um den Hals falle, ihr alles entdecke! — Siehst du denn auf uns herunter, heilige Frau, die du mir diesen Schatz aufzuheben gabst? — Ja, sie wissen von uns droben! sie wissen von uns! — Charlotte, du konntest meine Liebe zu dir nicht herrlicher, heiliger belohnen, als daß du mir scheidend deine Tochter anvertrautest! Du gabst mir alles, was ich bedurfte, knüpftest mich ans Leben! Ich liebte sie als dein Kind — und nun! — Noch ist mir's Täuschung.



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