
Manchmal ging Arha ganz allein im frühen Morgenlicht hinauf zu den Steinen und versuchte herauszufinden, was die undeutlichen Erhöhungen und Vertiefungen der Skulpturen darstellten, die im Licht der fast waagrecht fallenden Strahlen der Morgensonne schärfer hervortraten. Manchmal aber saß sie auch nur und schaute hinüber zu den Bergen im Westen und hinunter auf die Dächer und Mauern der Stätte, die sich zu ihren Füßen erstreckte, und sie beobachtete, wie sich allmählich alles um das Großhaus und die Baracken herum zu regen begann, und wie die Schaf- und Ziegenherden ihren spärlichen Weiden beim Fluß zustrebten. Bei den Steinen gab es nichts zu tun. Sie kam nur hierher, weil sie allein nur hierherkommen durfte, und weil sie hier allein sein konnte. Es war im Grunde genommen ein abschreckender Ort. Selbst in der mittäglichen Hitze der Wüste war es kalt hier. Manchmal hörte man den Wind schwach pfeifen, wenn er zwischen den beiden Steinen durchblies, die nebeneinander standen und sich aneinanderlehnten, als hätten sie sich ein Geheimnis zuzuflüstern. Aber es wurden keine Geheimnisse erzählt.
Von der Gräbermauer zweigte eine andere, niedrigere Mauer ab, die einen weiten, ungleichmäßigen Halbkreis um den Hügel der Stätte beschrieb und sich dann nördlich, gegen den Fluß hin, verlor. Diese Mauer schien weniger um des Schutzes willen errichtet, eher um die Stätte in zwei Teile zu trennen. Auf der einen Seite standen die Häuser der Priesterinnen und Eunuchen, auf der anderen befanden sich die Quartiere der Posten und die Hütten der Sklaven, die das Land für die Stätte bebauten, die Herden hüteten und für Futter sorgten. Keiner, der dort wohnte, kam je auf die andere Seite der Mauer, nur an ganz heiligen Festtagen wohnten die Tamboure und Hornisten den Prozessionen der Priesterinnen bei, aber durch die Portale der Tempel traten sie nie.
