»Wo sind die Gefangenen?«

»Dort.«

Es dauerte eine Weile, bis sie etwas unterscheiden konnte und wahrnahm, daß die drei unordentlichen Haufen am anderen Ende des Raumes Männer waren.

»Die Tür ist nicht verschlossen. Ist kein Posten hier?«

»Es ist keiner nötig.«

Sie ging zögernden Schrittes etwas weiter vor und versuchte, den rauchenden Dunst mit ihren Blicken zu durchbohren. Die Gefangenen waren an beiden Fußgelenken und an einem Handgelenk mit Ketten an großen Eisenringen an der Wand befestigt. Wollte sich einer von ihnen niederlegen, so blieb sein Arm, an dem sich die Kette befand, oben hängen. Ihr Haar und ihre Bärte waren so verfilzt, daß man in deren Schatten ihre Gesichter nicht erkennen konnte. Einer lag halb am Boden, die anderen beiden saßen und hockten. Sie waren nackt. Der Geruch, der von ihnen ausging, war widerlicher als der Gestank, der vom Rauch herrührte.

Einer von ihnen schien Arha zu mustern, sie glaubte, Augen wahrzunehmen, aber sie war sich nicht sicher. Die beiden anderen rührten sich nicht und hoben ihre Köpfe nicht hoch.

Sie wandte sich ab. »Das sind keine Menschen mehr«, sagte sie.

»Das waren noch nie Menschen. Das waren Dämonen, tierische Wesen, die sich gegen die geweihte Person des Gottkönigs verschworen haben!« Kossils Augen schienen mit dem roten Fackellicht um die Wette zu funkeln.

Arha blickte wieder auf die Gefangenen, sprachlos und neugierig zugleich. »Wie können sie es wagen, einen Gott anzugreifen? Wie können sie das tun? Du da — wie kannst du es wagen, einen lebenden Gott anzugreifen?«

Der Mann blickte sie unter seinem schwarzen, verfilzten Haarschopf hervor an, sagte aber nichts.

»Man hat ihnen die Zungen herausgeschnitten, bevor man sie von Awabad hierhergeschafft hat«, sagte Kossil. »Herrin, sprechen Sie nie mit ihnen! Es ist Abschaum. Sie gehören Ihnen, aber nicht, um mit ihnen zu sprechen oder sie anzusehen oder über sie nachzudenken. Sie wurden Ihnen als Opfer für die Namenlosen gegeben.«



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