Schnee, das Mondlicht, das ihn täuschte. Was hatte er denn schon gesehen?» Will, wo bist du?«rief Ser Waymar herauf.»Kannst du etwas erkennen?«Langsam drehte er sich um, das Schwert in seiner Hand. Er mußte sie gespürt haben, ganz wie Will sie spürte. Es war nichts zu sehen.»Antworte mir! Warum ist es so kalt?«

Es war kalt. Zitternd klammerte sich Will fester an seinen Sitz. Sein Gesicht preßte sich hart an den Stamm des Wachbaumes. Er konnte das süße, klebrige Harz an seiner Wange fühlen.

Ein Schatten trat aus dem Dunkel des Waldes. Er blieb direkt vor Royce stehen. Hoch ragte er vor ihm auf, hager und hart wie alte Knochen, mit Haut so weiß wie Milch. Seine Rüstung schien die Farbe zu verändern, wenn er sich bewegte. Hier war er weiß wie frischer Schnee, dort schwarz wie ein Schatten, überall gesprenkelt mit dem dunklen Graugrün der Bäume. Mit jedem Schritt verliefen die Muster wie Mondlicht auf dem Wasser.

Will hörte Ser Waymar Royce seinen Atem mit langem Zischen ausstoßen.»Kommt nicht näher«, warnte der junge Lord. Seine Stimme überschlug sich wie die eines Kindes. Er warf den langen Zobelmantel über seine Schulter, um die Arme für den Kampf frei zu haben, und nahm sein Schwert in beide Hände. Der Wind hatte sich gelegt. Es war sehr kalt.

Mit lautlosen Schritten trat der andere vor. In seiner Hand hielt er ein Langschwert, wie Will es nie zuvor gesehen hatte. Kein den Menschen bekanntes Metall war zu dieser Klinge geschmiedet worden. Es lebte im Mondlicht, durchscheinend, eine kristallene Scherbe, so dünn, daß sie fast zu verschwinden schien, wenn man sie von der Seite sah. Ein schwacher, blauer Schimmer lag über dieser Waffe, gespenstisches Licht, das seinen Rand umspielte, und irgendwie wußte Will, daß es schärfer als jedes Barbiermesser war.



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