„Es gelang mir, wieder nach Paris zu kommen", sagte Schwarz. „Aber der Traum verließ mich nicht. Er kam wieder. Um dieselbe Zeit zerbrach auch die Illusion des Münchner Paktes. Im Frühjahr wußte man, daß es bestimmt Krieg geben würde. Man roch ihn, wie man einen Brand riecht, lange bevor man ihn sieht. Nur die Diplomatie der Welt hielt sich hilflos die Augen zu und träumte Wunschträume — von einem zweiten und dritten München, von allem, aber nur keinem Krieg. Nie hat es soviel Glauben an Wunder gegeben wie in unserer Zeit, wo es keine mehr gibt."

„Es gibt noch welche," erwiderte ich. „Sonst wären wir alle nicht mehr am Leben."

Schwarz nickte. „Sie haben recht. Private Wunder. Ich habe selbst eines erlebt. Es begann in Paris. Ich erbte plötzlich einen gültigen Paß. Es ist der Paß, der auf den Namen Schwarz lautet. Er gehörte einem Österreicher, mit dem ich im Cafe de la Rose bekannt geworden war. Der Mann starb und hinterließ mir den Paß und sein Geld. Er war erst vor drei Monaten angekommen. Ich hatte ihn im Louvre kennengelernt — vor den Bildern der Impressionisten. Ich verbrachte damals viele Nachmittage dort, um mich zu beruhigen. Wenn man vor diesen sonnegetränkten, stillen Landschaften stand, glaubte man nicht, daß eine Tierrasse, die so etwas schaffen konnte, gleichzeitig einen mörderischen Krieg vorhaben könne — eine Illusion, die den Blutdruck für eine Stunde etwas senkte. Der Mann mit dem Paß auf den Namen Schwarz saß oft vor den Seerosen- und Kathedralenbildern von Monet. Wir kamen ins Gespräch, und er erzählte mir, daß es ihm gelungen sei, nach der Machtergreifung in Österreich freizukommen und das Land zu verlassen, indem er auf sein Vermögen verzichtete. Es hatte aus einer Sammlung von Impressionisten bestanden, die an den Staat gefallen war. Er bedauerte es nicht. Solange in Museen Bilder ausgestellt wären, könne er sie wie seine eigenen betrachten, sagte er, ohne die Sorge um Feuer und Diebstahl zu haben.



11 из 241