
Der Staub hatte ihn mittlerweile eingeholt und hüllte nicht nur ihn selbst ein, sondern die ganze Höhle mitsamt dem so mühsam bloßgelegten Fenster. Es hätte für den Tiger die Rettung bedeuten können, denn dahinter lockte die Freiheit, eine ganze unterirdische Welt. In der Ferne sah man einen Fluß und eine Landschaft mit Tälern und Hügeln.
Doch das alles war für ihn unerreichbar. Er war gefangen, und der Staub setzte sich in seiner Nase fest, in den Augen, ja sogar in der Kehle.
Achr mußte husten, auf einmal erschien ihm sein gewaltiger Zorn, sein Groll auf den Tapferen Löwen und den Höhlenlöwen, der so unvermittelt im Zauberland aufgetaucht war, klein und nichtig. Eigentlich lohnt sich der Streit nicht, dachte er, es gibt Wichtigeres, ich sollte mich mit ihm vertragen. Immerhin lebten schon unsere Vorfahren zusammen und sind miteinander ausgekommen.
DIE RETTUNG
In diesem Augenblick geschah etwas Sonderbares. Kaum war der Tiger friedfertig geworden, kaum hatte er das Böse und Feindselige aus seinen Gedanken verdrängt, spürte er ein Kribbeln in seiner vom Staub ganz trockenen und heißen Nase. Er streckte vorsichtig die Pfote aus und stellte zu seiner großen Überraschung fest, daß die Barriere verschwunden war. Der Weg nach vorn war urplötzlich frei, und auch das Atmen wurde wieder leichter. Frische kühle Luft kitzelte angenehm seine Nüstern. Achr sauste beglückt los.
Doch er kam nicht weit. Noch halb blind von dem gräßlichen Staub, der hinter ihm zurückblieb, machte er einige Sätze, übersah aber einen unvermittelt vor ihm auftauchenden Abgrund. Vergeblich versuchte er, mitten im Sprung anzuhalten, es gelang nicht.
Hals über Kopf stürzte Achr zum zweitenmal an diesem unglückseligen Tag in die Tiefe. Nur mit Mühe federte er den Fall ab, blieb danach wie betäubt am Boden liegen.
