
Jack L. Chalker
Die Sechseck-Welt
Dalgonia
Massenmord ist gewöhnlich um so entsetzlicher der unerwarteten Schauplätze und des früheren Charakters des Mörders wegen. Das Massaker von Dalgonia kann als Beispiel dienen.
Dalgonia ist ein unfruchtbarer, felsiger Planet in der Nähe einer sterbenden Sonne, überflutet nur von geisterhaftem, rötlichem Licht, dessen wundersame Strahlen unheimliche Schatten auf die schroffen Gipfel werfen. Von der dalgonischen Atmosphäre ist nur wenig geblieben, das anzeigt, daß hier je Leben geherrscht haben kann; das Wasser ist verschwunden oder, wie der Sauerstoff, jetzt tief im Gestein gebunden. Die schwächliche Sonne, unfähig, der Landschaft mehr zu geben als die dunkelrote Färbung, vermag den Horizont nicht zu erhellen, der trotz eines bläulichen Dunstes von den noch darin enthaltenen inaktiven Elementen so dunkel war wie die Schatten. Es war eine Welt von Gespenstern.
Und wurde von ihnen heimgesucht.
Neun Gestalten stapften lautlos in die Ruinen einer Stadt, die man leicht für die zerklüfteten Wände der nahen Berge hätte halten können. Verkrümmte Türme und zerbröckelnde Burgen von grünlich-braunem Gestein standen vor ihnen und ließen sie zwergenhaft unbedeutend erscheinen. Nur ihre weißen Schutzanzüge hoben sie aus dieser düster-schönen Welt der Stille hervor.
Die Stadt hatte mit nichts so sehr Ähnlichkeit wie mit einer, die Äonen zuvor aus Eisen erbaut und in einem toten Meer ausgedehnter Verwitterung durch Rost und Salz ausgesetzt worden war. Wie ihre Welt war sie stumm und tot.
Ein genauerer Blick auf die Gestalten hätte gezeigt, daß sie alle waren, was man ›menschlich‹ nannte — Bewohner des jüngsten Teiles des Spiralarmes ihrer Galaxis. Fünf waren weiblich, vier männlich; der Anführer war ein hagerer, zerbrechlich wirkender Mann in mittleren Jahren. Auf seinem Rücken und an der Sichtscheibe war der Name ›Skander‹ zu lesen.
