Aber er hatte trotzdem nicht gezögert, wenn auch aus anderen Gründen. Von einem Fieber heimgesucht, das ihn in der Südsee fast umgebracht hätte, war er an Land stationiert gewesen und hatte Mannschaften rekrutiert. Die Französische Revolution fegte wie ein Flächenbrand über den Kontinent. Als ob es gestern gewesen wäre, entsann er sich auch des Tages, als er sein Schiff in Gibraltar betreten hatte. Die Hyperion war alt und müde gewesen, trotzdem hatte sie ihn fasziniert, als hätten sie einander auf irgendeine Weise gebraucht.

Bolitho hörte das Trillern der Pfeifen und das Platschen, mit dem der Anker in dieses Gewässer fiel, das er so gut kannte. Bald würde sein Flaggkapitän weitere Befehle erbitten. So sehr er es auch versuchte, Bolitho vermochte in Kapitän Haven weder einen inspirierenden Kommandanten noch seinen persönlichen Berater zu sehen. Er war ein zu farbloser, sachlicher Mensch. Trotzdem wußte Bolitho, daß er Haven unrecht tat, denn er war nur wenige Tage vor der Überfahrt nach Westindien an Bord gekommen und hatte sich in den folgenden dreißig Tagen in seinen Räumen fast völlig isoliert, so daß sich sogar sein Bootssteurer Allday sorgte.

Das lag wahrscheinlich an Havens Verhalten bei ihrem ersten gemeinsamen Rundgang durchs Schiff an dem Tag, bevor sie in See stachen. Haven hatte es offenbar als merkwürdig empfunden, daß sein Admiral mehr zu sehen wünschte als nur seine Kajüte und das Achterdeck, ganz zu schweigen von seinem Interesse für die Batterien und den untersten Raum im Schiff, das Orlopdeck. Wie sollte Haven auch verstehen? Es war nicht seine Schuld.

Bolitho hatte Havens offensichtliche Unzufriedenheit mit diesem alten Schiff wie eine persönliche Kränkung aufgenommen.»Sie mag alt sein, Kapitän Haven, aber sie hat schon viele weit jüngere besiegt«, rügte er.»In der Chesapeake Bay, bei den Saintes, vor Toulon und in der Biskaya — ihre Verdienste im Kampf lesen sich wie eine Geschichte der Navy selbst!«Seine Reaktion war ungerecht gewesen, aber Haven hätte es besser wissen sollen.



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