
»He! Du da! Du sollst nicht
Maulaffen feilhalten, sondern arbeiten!« Die Peitsche des Aufsehers pfiff so dicht über Mikes Rücken hinweg, dass er den Luftzug spüren konnte, und der Knall, mit dem die geflochtenen Lederbänder zurückschnalzten, ließ ihn erschrocken zusammenzucken und rasch wieder nach der Hacke greifen. Er hatte sie wirklich nur für einen Moment sinken lassen, um sich einmal zu recken und seine verspannten Muskeln zu dehnen, aber den aufmerksamen Blicken des Aufsehers entging nichts.
Dabei hatte Mike noch Glück gehabt. Der Mann war der am wenigsten schlimme der vier Sklaventreiber, die abwechselnd im Korallenbruch Dienst taten. Hätte ihn einer der drei anderen dabei erwischt, wie er seine Arbeit vernachlässigte, so hätte er die Peitsche wirklich zu schmecken bekommen. Es wäre nicht das erste Mal. Mikes Rücken schmerzte noch immer von den Hieben, die er vor ein paar Tagen, wegen einer noch viel geringeren Verfehlung kassiert hatte ...
Mike fühlte den Blick des Aufsehers noch immer auf sich ruhen, verscheuchte jeden anderen Gedanken und beeilte sich schneller zu arbeiten. Wenn man in den Korallenbrüchen überleben wollte, war es vor allem wichtig nicht aufzufallen.
Seine Hacke fuhr in den Boden und löste große Brocken der harten, grünbeigen Korallenmasse, in die sich das Dutzend Arbeiter hineinwühlte wie ein Trupp großer, zweibeiniger Maulwürfe. Sie hatten vor zwei Wochen angefangen an dieser Stelle zu arbeiten – wobei eine Woche in der Strafkolonie aus zehn Tagen bestand, die sich wiederum aus zehn Stunden pausenloser Arbeit und nur fünf Stunden Schlaf zusammensetzten; und Mike hatte das sichere Gefühl, dass eine Stunde unter dem grünen Himmel Lemuras deutlich länger dauerte als die Zeitspanne, die er bisher unter diesem Begriff gekannt hatte.
