
Am
Pharo-Tisch spielten gut situierte Gentlemen aus den Ministerien, unter ihnen auch niemand Geringeres als ein Mitglied des Unterhauses, der für seine opulenten Gesellschaften berühmter war denn für seine Fähigkeiten als Vertreter einer gesetzgebenden Körperschaft. An einem anderen Tisch sah ich den Herzog von N. beim
Piquet verlieren. Mehrere bezechte Beaus bemühten sich, der bekannten Komödiantin Nance Oldfield beizubringen, wie man sich die Gesetzmäßigkeiten des Risikos zu Nutze machte, und man konnte ihnen nur Glück dabei wünschen, denn im Spiel war wie in der Liebe alles möglich. Es amüsierte mich außerordentlich zu beobachten, wie die Reichen ausgenommen und die aus der Gosse vermögend wurden, doch was ich dabei dachte, spielte eine untergeordnete Rolle. Das Silber in meiner Börse und die Banknoten in meiner Rocktasche gehörten nicht mir, und ich durfte sie nicht nach meinem Gusto einsetzen. Sie waren dazu bestimmt, einen gewissen Herrn in größte Verlegenheit zu stürzen, der jüngst den Gentleman gedemütigt hatte, in dessen Auftrag ich mich in einen Wettstreit begeben sollte, bei dem Täuschung und Arglist gefragt waren.
Ich verbrachte eine Viertelstunde damit, durch Kingsley's Räumlichkeiten zu schlendern, mich in dem Licht der zahllosen Lüster zu sonnen und an ihrer Wärme zu ergötzen, denn der Winter war in diesem Jahr früh und mit Macht gekommen, und draußen war alles bitterkalt und mit einer Frostschicht überzogen. So gewärmt und in Stimmung gebracht - wozu die Musik und das Gelächter und die Verlockungen der Schönen der Nacht das ihrige getan hatten, um meinen Kopf in einen Rausch zu versetzen -, begann ich alsdann, meinen Plan zu schmieden. Ich nippte an einem verdünnten Madeira und nahm unauffällig meinen Mann ins Visier. Dies war ein leichtes Unterfangen, denn ich hatte mich als Geck der affigsten Sorte verkleidet, und wenn die Gäste Notiz von mir nahmen, dann nur von einem Mann, der es darauf anlegte aufzufallen. Auf welche Weise kann man sonst sein wahres Ich gründlicher verbergen?