Als ich mich umsah, konnte ich noch weitere fünf oder sechs entdecken, die über den Köpfen der Fahrgäste hingen. Doch sie alle wirkten verwischt, trübe und drehten sich kaum. Resultate eines absolut durchschnittlichen, unprofessionellen Fluchs. Jemand wirft einem anderen ein»Verrecken sollst du, Dreckskerl!«hinterher. Ein anderer drückt es schlichter, weniger hart aus:»Hol dich doch der Kuckuck!«Und von der Dunklen Seite rankt sich ein kleiner Wirbelsturm herüber, der das Glück aus einem herauspresst, der die Kräfte aussaugt.

Doch ein gewöhnlicher Fluch, ein dilettantischer und unausgegorener Fluch, hält bloß ein, zwei Stunden, maximal einen Tag an. Seine Folgen sind zwar unangenehm, aber auf gar keinen Fall tödlich. Der schwarze Strudel über der Frau war von einem anderen Kaliber, stabil, geschaffen von einem erfahrenen Magier. Ohne dass die Frau es wusste, war sie bereits tot.

Automatisch fuhr meine Hand zu meiner Tasche, dann machte ich mir jedoch klar, wo ich war, und verzog das Gesicht. Warum funktionieren Handys in der Metro bloß nicht? Fahren ihre Besitzer etwa nicht mit der Untergrundbahn?

Nun zerrten an mir sowohl meine eigentliche Aufgabe, die ich erfüllen musste, auch wenn kaum Aussicht auf Erfolg bestand, wie auch die Sorge um die mit dem Fluch belegte Frau. Mir war unklar, ob für sie nicht jede Hilfe zu spät kam, doch auf alle Fälle musste ich denjenigen finden, der hinter dem Strudel steckte.

In dem Moment traf mich ein zweiter Schlag. Diesmal anders. Ohne Krampf, ohne Schmerz, nur die Kehle trocknete mir aus, mein Zahnfleisch ertaubte, das Blut pulsierte mir in den Schläfen, die Fingerspitzen fingen zu jucken an.

Treffer!

Aber warum ausgerechnet jetzt?

Ich erhob mich. Der Zug bremste bereits vor der nächsten Station ab. Ich ging an der Frau vorbei und spürte ihren Blick. Sie sah mir nach. Ängstlich. Auch wenn sie den schwarzen Wirbel nicht wahrnahm, machte er sie anscheinend nervös, zwang sie, die Leute in ihrer Nähe im Auge zu behalten.



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