Wenn das Amulett voll geladen gewesen wäre, hätte ich ihn einfach betäubt.

So aber musste ich ihn umbringen.

Die Marke - ein leicht glänzendes, hellblaues Siegel auf der Brust des Vampirs - knirschte, als ich einen lautlosen Befehl aussandte. Die Energie, die von jemandem stammte, der weitaus fähiger war als ich, ergoss sich in den toten Körper. Der Vampir rannte noch. Er war satt, stark, und noch nährte fremdes Leben das tote Fleisch. Doch einen Schlag von dieser Kraft vermochte er nicht auszuhalten: Die Haut trocknete ein, legte sich wie Pergament über die Knochen, die Gallerte sickerte aus den Augenhöhlen. Dann brach die Wirbelsäule auseinander, und das zuckende Gerippe krachte vor meinen Füßen zusammen.

Ich drehte mich zurück - die Vampirin hatte das Bewusstsein schon zurückerlangt. Gefahr ging von ihr jedoch keine mehr aus. Mit riesigen Sprüngen hastete sie über den Hof davon. Noch immer war sie nicht aus dem Zwielicht herausgetreten, sodass dieses frappierende Schauspiel nur ich zu sehen vermochte. Und die Hunde natürlich. Von irgendwoher erklang das hysterische Gebell einer kleinen Töle, die Hass und Angst gleichermaßen gefangen hielten - und all die Gefühle, die die Hunderasse seit Urzeiten für diese lebenden Toten hegt.

Die Vampirin zu verfolgen fehlte mir die Kraft. Ich reckte mich und nahm einen Abdruck ihrer Aura, einer ausgetrockneten, grauen, muffigen Aura. Sie würde uns nicht entkommen.

Doch wo steckte der Junge?

Nachdem er aus dem von den Vampiren geschaffenen Zwielicht herausgetreten war, konnte er entweder in Ohnmacht oder in völlige Erstarrung gefallen sein.



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