
»Für dich?«Die Frau wandte den Blick kurz von Jegor ab. Die Starre wich daraufhin ein wenig von ihm, dafür packte ihn jetzt Angst. Der Junge öffnete den Mund, doch kaum fing er den Blick des Mannes auf, blieb ihm der Schrei in der Kehle stecken - als zöge sich eine kalte Gummihaut eng um ihn zusammen.
»Ja. Halt ihn fest!«
Die Frau schnaubte höhnisch. Als sie Jegor wieder anblickte, spitzte sie die Lippen, als wolle sie ihm einen Kuss zuhauchen. Leise sprach sie die bereits vertrauten Worte, die Worte, die sich unter die betörende Musik gemischt hatten.»Komm her… komm zu mir…«
Jegor blieb reglos stehen. Zum Weglaufen fehlte ihm die Kraft - trotz seines Entsetzens, trotz des Schreis, der ihm immer noch in der Kehle steckte. Das Einzige, was er zustande brachte, war, einfach stehen zu bleiben.
Am Tordurchgang kam eine Frau mit zwei großen Schäferhunden an der Leine vorbei. Langsam, irgendwie abgebremst, als bewege sie sich unter Wasser oder schleppe sich durch einen Albtraum. Als Jegor aus den Augenwinkeln heraus sah, wie die Hunde sie zerrten, sie in den Durchgang zogen, flammte irrsinnige Hoffnung in ihm auf. Die Schäferhunde knurrten zwar, aber irgendwie unsicher, voller Hass und Angst zugleich. Ihre Besitzerin blieb kurz stehen und spähte argwöhnisch den Gang entlang. Jegor fing ihren Blick auf - gleichgültig, als blicke sie ins Leere.
»Kommt weiter!«Sie zog an der Leine, und die Hunde kamen bereitwillig bei Fuß.
Der junge Mann lachte leise.
Die Hundebesitzerin beschleunigte den Schritt, bis sie nicht mehr zu sehen war.
»Der kommt nicht!«, quengelte die junge Frau.»Guck dir das an, der kommt einfach nicht!«
»Streng dich an«, sagte der Mann bloß. Er schaute finster drein.»Du musst es lernen!«
»Komm! Komm zu mir!«, verlangte die Frau energisch. Jegor stand nur zwei Meter von ihr entfernt, doch sie legte offensichtlich größten Wert darauf, dass er von sich aus weiter auf sie zuging.
